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Bordüre

A nkunft im gelobten Land

New York war für die meisten russischen Juden der erste amerikanische Hafen. Ähnlich wie in den europäischen Auswanderungshäfen wurden sie hier mehr oder weniger zentral in Empfang genommen, registriert und untersucht. Doch noch Jahre nach ihrer Einwanderung waren gerade die osteuropäischen Juden für viele Amerikaner fremd.


     Emigranten gehen an Bord

New York war einer der Haupeinwanderungshäfen Amerikas. Hier, wie schon in den europäischen Abfahrtshäfen, wurden die meist ahnungslosen Neuankömmlinge leicht von so genannten "Runners" übers Ohr gehauen. Diese "Runner", in Deutschland "Litzer" genannt, waren oft ehemalige Landsleute, die das Vertrauen der Neuen leicht erwerben konnten und ihnen überteurert Nahrungsmittel, Wohnungen etc. vermittelten.

Als Schutz vor den "Runner" gründeten sich private, meist jüdische Hilfsorganisationen, die die Emigranten empfingen. Ab 1847 kümmerte sich eigens eine Behörde, die "Commissioners of Emigration", um das Problem. Zentral in Empfang genommen wurden die Einwanderer ab 1855 zunächst in Castle Garden, ab 1892 in Ellis Island. Dort wurden die Emigranten untersucht, beraten und nach Möglichkeit auf das Land verteilt.

Zweifel am Schmelztiegel

Die meisten russischen Juden blieben allerdings in New York oder Chicago. Sie unterschieden sich zunächst stark von den einige Jahrzehnte zuvor eingewanderten deutschen Juden. In der amerikanischen Öffentlichkeit kam angesichts der so genannten "new immigration" Zweifel auf, ob das Konzept des Schmelztiegels, des "melting pot" weiterhin funktioniert - die Neuankömmlinge waren zu fremd.

Obwohl sich die meisten osteuropäischen Juden assimilierten und bereits vor dem Ersten Weltkrieg wirtschaftlich langsam aufstiegen, bewahrten sie insgesamt lange ihre religiösen Traditionen. Dies stärkte die Vorurteile, die die amerikanische Öffentlichkeit gegenüber den Osteuropäern hegte. Ab 1917 mussten "rassisch minderwertige" Osteuropäer bei der Einwanderung einen Sprach- und Schreibtest machen. 1924 wurde die Quotenregelung eingeführt, die jedoch erst fünf Jahre später wirklich griff. (bik)


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Erstellt am 01.05.2001

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