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Bordüre

H artes Durchgreifen für Ruhe und Ordnung

Die Autoritäten in England und Deutschland reagierten oft ähnlich: Mit militärischer Gewalt wurden die Unruhen beendet, die Protestierenden verhaftet und hart bestraft. Einsichten gewannen nur wenige Regierungen aus den Protesten: Vereinzelt wurden Fabrikenordnungen aufgestellt, um die größten Missstände zu beseitigen.


Zahnrad

Die lokalen Magistrate in den englischen Distrikten waren durch die Ludditen sehr beunruhigt und reagierten dementsprechend hart: Im Sommer 1812 waren zwischen Leicestershire und Yorkshire über 12.000 Soldaten stationiert, die die Situation unter Kontrolle bringen sollten. In einzelnen Gebieten wurden auch Spione eingesetzt, die die Ludditenbewegung unterminieren sollten. Die Landesregierung reagierte jedoch gelassener als die örtlichen Autoritäten. Sie war sich sicher, die Ausschreitungen beenden zu können. Die Strafen für den Maschinensturm in England waren hart: von der Todesstrafe über Deportationen bis hin zu mehrjährigen Zuchthausstrafen.

Kein Verständnis in der Mittelschicht

Für die Obrigkeit waren die Ludditen ein reines Ordnungsproblem, über deren Ursachen nicht nachgedacht wurde. Das harte Durchgreifen des Militärs führte schließlich auch allerorts zum Ende der Ausschreitungen. Zum Selbstschutz und als Vorsorge bildeten die bedrohten Verleger und Fabrikanten Bürgerwachen. Manchmal gingen sie auch auf die Forderungen der Ludditen nach höheren Löhnen ein, um ihre Maschinen zu schützen. Die Mittelklasse brachte jedoch meistens keinerlei Verständnis für die Belange der Heimgewerbetreibenden auf. Das zeigt sich in zeitgenössischen Zeitungsartikeln: Hier wurden die Ludditen und die manchmal mit ihnen ziehenden Kriminellen über einen Kamm geschoren. Die Unterschicht unterstützte die Ludditen dagegen. Allerdings wurden viele von ihnen durch den Mord an dem Fabrikanten und die generelle Gewaltbereitschaft auch abgeschreckt.

Auch in Deutschland reagierte die Obrigkeit ähnlich hart. Mildernde Umstände gab es bei den Gerichtsurteilen nicht. Zwar führte der Einsatz von Militär langfristig immer zu einer Befriedung der Geschehnisse, kurzfristig aber spitzte sich die Situation meist zunächst zu. Und oft führte die Verhaftung von Protestierenden auch zu versuchten Gefangenenbefreiung. Die Ordnungsseite, die bürgerlichen Schützencorps und Bürgerwehren, hatten naturgemäß wenig Verständnis für die Ausschreitungen. Und der Staat lobte sie für ihre Hilfe. Auch einige Fabrikarbeiter reiteten sich manchmal in die Ordnungsgruppen ein - zumindest dort, wo sie aus der Arbeit im geschlossenen Fabrikensystem profitieren konnten.

Missstände wurden festgestellt

Militär und Justiz in Deutschland gingen also ähnlich hart gegen die Maschinenstürmer vor wie in England. Doch die deutschen Behörden versuchten mehr, die Unruhen zu analysieren. Jedoch nicht, um künftig gerechte Arbeitsbedingungen duchzusetzen - sie wollten nur dauerhaft Ruhe und Ordnung sichern. So ließ die Bezirksregierung in Aachen die Arbeitsbedingungen untersuchen und stellte dabei erhebliche Missstände fest. Wie auch in Prag bemühte man sich um die Aufstellung einer Fabrikenordnung, um die Missstände abzustellen. In Prag wurde dann zwar auch ein Streikverbot erteilt, gleichzeitig hätten aber Schiedsgerichte den Arbeitern einen größeren Einfluss erlaubt. Letztlich scheiterte diese Prager Fabrikenordnung allerdings am Widerstand der Donaumonarchie, ebenso wie die Aachener Fabrikenordnung am Preußischen Staatsministerium.

"Tadelnswertes Benehmen" der Fabrikanten

In Aachen, Eupen und Schlesien sahen die Regierungen die Schuld für die Unruhen eindeutig bei den Fabrikanten. In Aachen bescheinigten mehrere Regierungsräte einem Fabrikanten, er habe sich durch zu niedrige Löhne "tadelnswert" benommen und indirekt zu den Unruhen beigetragen. Auch die Gerichtsurteile sahen in den Strafabzügen den Hauptgrund der Ereignisse. Und selbst die Probleme, die die neuen Maschinen mit sich brachten, wurde erkannt. Auch in Schlesien sah das Gericht in Zwanziger den Provokateur der Unruhen. Das Urteil spiegelt diese Erkenntnis allerdings nicht wider.

Wenig Einsicht in die Erwartungen

In Eupen forderten die Behörden, dass sich die Fabrikanten mit den neuen Maschinen zurückhalten sollten. In Prag dagegen stellten die Behörden fest, dass eine solche Regelung der böhmischen Wirtschaft schaden würde. Hier versuchten die Fabrikanten sogar per Flugblatt, den Kattundrucker zu erklären, warum es unvernünftig sei, sich gegen neue Maschinen zu wehren: Ohne Maschinen wäre man bald nicht mehr konkurrenzfähig. Darüber hinaus wären die Löhne auch ohne Maschinen niedrig, da die Bevölkerung groß und die Arbeitslosigkeit hoch sei.

Doch trotz aller Ansätze von Einsicht und richtiger Einschätzung der Sachlage, die Obrigkeit verhielt sich nicht so, wie es die Arbeiter von ihr erwarteten: Dass sie paternalistisch-fürsorglich für die Unterschichten Partei ergreife, gemäß der "moral economy". (bik)


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Erstellt am 11.01.2001

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