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A ustromarxismus

Austromarxismus bezeichnet eine philosophisch-soziologische Denkrichtung, die einen Weg zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus anstrebte. Entstanden in Wien um die Jahrhundertwende, sollten seine Inhalte erstmals in der Zwischenkriegszeit verwirklicht werden - im Roten Wien.


Um 1904 traf sich eine Gruppe jüngerer Akademiker und Studenten aus unterschiedlichen Fachbereichen in Wiener Kaffeehäusern. Als Sozialdemokraten oder Marxisten diskutierten sie moderne philosophische Strömungen und versuchten, die Marxsche Theorie auf das alte, von Nationalitätenkonflikten erschütterten Österreich zu übertragen. Zu dieser Gruppe gehörten auch Otto Bauer, der spätere Wortführer des Austromarxismus, der Soziologe Max Adler und der Jurist Karl Renner (1919/1920 erster Staatskanzler der ersten Republik, 1945-50 erster Bundespräsident der zweiten Republik).

Die Gruppe wollte einen dritten Weg für die SDAP finden, zwischen der Zweiten Internationale, die sozialdemokratisch geprägt war, und der kommunistischen Dritten Internationale. Tatsächlich entstand 1921 die "Internationale 2 1/2", die 1923 als linker Flügel in der Zweiten Internationale aufging.

Die Austromarxisten entwickelten kein dogmatisches Glaubensbekenntnis, sondern eine neue Gesellschaftstheorie. Diese Theorie war ihrer Meinung nach notwendig geworden, weil die Sozialisten in entwickelten kapitalistischen Gesellschaften in einem Dilemma steckten: Eine Revolution im Marxschen Sinne war nicht möglich, der sozialdemokratische Reformismus-Weg war aber zu ermüdend. Statt im Sieg des Sozialismus endete er in Resignation und Integration.

"Köpfe gewinnen!"

Die Strategie der Austromarxisten formulierte Otto Bauer als "Nicht die Köpfe einschlagen, die Köpfe gewinnen!" In anderen Ländern sei der Sieg des Sozialismus nur mit Gewalt möglich, in Österreich sollte die Arbeiterpartei friedlich durch die Demokratie an die Macht kommen. Erst danach sollte die "soziale Revolution" mithilfe staatlicher Sozialisierungen durchgesetzt werden. Zur Umstrukturierung des Staates gab es keine ausführlichen Pläne. Doch seine Bürger, die Arbeiter und Kleinbürger sollten langsam durch sozialistische Bewusstseinsbildung verändert werden. Eine Chance, den Austromarxismus umzusetzen, ergab sich in Wien ab 1919. (bik)


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Erstellt am 10.08.2000

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