Zusammenfassung | Bremer Swingkids | Stenze | Treffpunkte | Tanztees | Grammophon | HJ | Verfolgung | Jazzverbote | Schwarzhörer | Bremer Verbot | Widerstand | Grundhaltung | Spurensuche | Literatur

Bordüre

B remer Swingkids

Swingjugendliche gab es im Dritten Reich in einigen Städten, unter anderem auch in Bremen. Durch ihre auffällig-elegante Kleidung und ihre Frisuren grenzten sie sich vom Nazi-Einerlei ab. Sie trafen sich in Tanzlokalen, um ihre geliebte Musik zu hören. Doch nicht immer blieb dieses Hobby harmlos.


Swingjugendliche im Dritten Reich waren eine Zeiterscheinung, die sich in verschiedenen deutschen Städten weitgehend unabhängig voneinander, aber mit erstaunlichen Parallelen entwickelten. Sie eroberten sich ihre Freiräume in diesem straff organisierten Staat. Auch in Bremen fielen sie bereits von weitem auf: englische Kleidung und längere Haare unterschied sie stark von ihren Altersgenossen. Als "Stenze" oder Tangojünglinge wurden die modebewussten Swingheinis und ihre Mädchen oft bezeichnet.

Beliebte Treffpunkte waren die Tanzcafés, in denen Live-Musik gespielt wurde. Später traf man sich privat zum Tanztee, brachte sich gegenseitig die wildesten Tanzschritte bei und versuchte alles, sogar noch im Krieg an verbotene Jazz-Schallplatten zu kommen.

Achtung HJ-Streifen

Allerdings standen die Bremer Swingkids nicht unbedingt im Gegensatz zur Hitler-Jugend: Nicht wenige gingen zum HJ-Dienst und liebten in ihrer Freizeit trotzdem die staatszersetzende Swingmusik.

In der Öffentlichkeit mussten sich die Bremer Swingheinis allerdings vorsehen: Oft waren sie noch nicht volljährig und durften die Tanzlokale abends nicht besuchen. Wenn wieder einmal eine HJ-Streife oder die Gestapo in den Tanzlokalen das Alter der Anwesenden kontrollierte, versteckten sich einige Bremer Swingkids im Keller hinter den Bierfässer oder verschwanden über die Hinterhöfe nach Hause. Niemand, den ich sprach, wurde je geschnappt. Aber jeder ahnte, was einem drohte, wenn er sich erwischen ließ. Margarethe Berberich, geboren 1914, war bereits alt genug, in die Tanzlokale zu gehen. Aber auch sie überkam ein ungutes Gefühl, wenn die Nationalsozialisten ins Astoria kamen. Sie erzählt:

    "Wenn die kamen, bin ich auf Toilette gegangen. Obwohl ich ja nicht gesucht wurde, aber die waren mir so unsympathisch. Ich selbst habe keine schlechten Erfahrungen gemacht, ich bin vielem aus dem Weg gegangen. Aber ich weiß, dass man einfach in einer Razzia geraten konnte, und da wurde nicht lange gefackelt, da kam man einfach in die Grüne Minna rein! Die hatten ziemlich ruppige Methoden. Und wer so was einmal mitmacht, der hält hinterher den Mund. Der sagt gar nichts mehr. Deshalb bin ich während des Krieges dann auch weniger ausgegangen, man war sich seiner Sache einfach nicht mehr sicher."

Auch in Bremen konnten die Nazis also unangenehm für die jugendlichen Swingfreunde werden. Auch wenn sie nicht so hart verfolgt wurden wie die Hamburger Swingszene, gab es auch hier einige Razzien. (bik)


weiter zu den Verbotsversuchen

 

Erstellt am 04.08.2000

Hier geht's zurück nach Hause