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Bordüre

T anzverbot in Bremen?

Der Gau Weser-Ems sollte Ende 1938 swingfrei gemacht werden, doch die Durchführung scheiterte an der fehlenden gesetzlichen Grundlage.


Auch in Bremen hat es einen Versuch gegeben, die schräge Swingmusik und das Swingtanzen zu verbieten. Doch es blieb beim Versuch: Im November 1938 kündigte der Gauhauptstellenleiter des Gaus Weser-Ems vollmundig an, dass

    "demnächst im Gau Weser-Ems das Tanzen und Spielen des Swing und des Hot durch Polizeiverbot untersagt wird."

Das Reichspropagandaamt Weser-Ems in Oldenburg schrieb tatsächlich Anfang Dezember an den Regierenden Bürgermeister von Bremen, Johann Heinrich Böhmcker. Darin verlangte der Leiter des Reichspropagandaamtes, Mutze, ein Verbot des Swing-Tanzens und des so genannten "Hot-Spielens", das ihn an die "Geräuschkulisse eines Urwaldes" erinnere. Die Selbstkontrolle der Gaststätten und Kapellen sei ohne polizeiliche Unterstützung wenig wirkungsvoll, mahnte Mutze:

    "Da bisher reichsseitig keine Regelung erfolgt ist, bitte ich Sie, die Ihnen nachgeordneten Dienststellen anzuweisen, das Swing-Tanzen und das "hot spielen" grundsätzlich zu verbieten, da das Swing-Tanzen eine Gefährdung der Sitte und Moral darstellt. Damit wäre wenigstens für das Gaugebiet Weser-Ems eine grundsätzliche Regelung getroffen."

In Osnabrück wusste man von nichts

Doch so einfach gestaltete sich das nicht: Mutze erwähnte in dem Brief, in Oldenburg und Osnabrück seien bereits polizeiliche Verbote erlassen worden. Als der Bremer Polizeipräsident sich dort erkundigte,

    "nach welchen gesetzlichen Bestimmungen Sie das Verbot erlassen haben, ob es von Erfolg war und welchen Wortlaut es hatte",

wusste man dort jedoch nichts davon. In Osnabrück hatte lediglich der Kreisleiter der NSDAP alle Gaststätteninhaber und Kapellmeister aufgerufen, "Swingtänze und Negermusik nicht zu dulden". In Bremen kam man schließlich zu der Auffassung, dass solche Aufrufe sinnvoller seien als polizeiliche Verbote. Im übrigen sei es auch nicht

    "Aufgabe der Polizei, derartige Missstände zu beseitigen", das sei eher "Sache der Partei oder der Dienststellen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda".

Mit diesen Worten wurde die Angelegenheit wieder zurück nach Oldenburg geschickt und nach zwei Monaten zu den Akten gelegt. (bik)


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Erstellt am 04.08.2000

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