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C holera und andere Krankheiten

Als im August 1892 die Cholera in Hamburg ausbrach, wurden sofort die Auswanderer in der Stadt beschuldigt, die Epidemie aus Russland eingeschlappt zu haben. Die Gesundheitskontrollen unterwegs und in der Hafenstadt wurden verschärft, die Migranten mussten in zwangsquarantäne auf die Abfahrt ihres Schiffes warten.


       jüdische Migranten

Im Sommer 1892 herrschte in verschiedenen Gebieten Russlands die Cholera, die sich von Asien westwärts verbreitete. Da die hygienischen Verhältnisse in Russland schlecht waren, fürchteten die deutschen Behörden, dass die osteuropäischen Durchwanderer die Krankheit einschleppten. Und als am 21. August 1892 die Cholera in Hamburg ausbrach, wurden sofort die preußischen Ostgrenzen für russische und österreichisch-ungarische Immigranten geschlossen.

Tatsächlich wurde die Epidemie aber vermutlich durch Seeleute aus Frankreich eingeschleppt, wo in der Pariser Gegend ebenfalls die Cholera gassierte. Dafür spricht auch, dass die Hauptauswanderungsgebiete in Russland bis zum 10. August cholerafrei waren. Zehn Wochen wütete die Epidemie in Hamburg und forderte über 8600 Leben.

Keine Kläranlagen in Hamburg

Die Bürger warfen dem Senat vor, die Gefahr verheimlicht zu haben und die Verbesserung sanitärer Einrichtungen für die Stadt, wie den Bau einer Kläranlage, bewusst zu verzögern. Der Senat wiederum berief sich auf Robert Koch, den Entdecker der Cholera-Erregers, der annahm, dass die russischen Emigranten die Krankheit eingeschleppt hatten. Tatsächlich erkrankte aber niemand in den Baracken bis zum 24. August, drei Tage nach dem ersten Fall in der Hansestadt.

Die ersten Maßnahmen richteten sich dennoch gegen die Auswanderer, die ab sofort besonders sorgfältigen ärztlichen Untersuchungen unterworfen wurden. Die deutschen Ostgrenzen wurden sofort gesperrt. Aber nachdem diese Maßnahme nur zu massenhaften unkontrollierten Grenzüberschreitungen führte, wurde die Sperrung gelockert. Stattdessen wurden billige Zwischendeckpassagen zum Teil verboten und Grenzkontrollen eingerichtet, bei denen eine erste gesundheitliche Untersuchung und Desinfektion der Kleider und des Gepäcks erfolgten.

Gründliche Untersuchungen

In Ruhleben bei Berlin fand die zweite gründliche Untersuchung statt. Eigentlich sollten dort, wie auch in Hamburg, nur diejenigen untersucht und desinfiziert werden, die diese Prozedur nicht schon bereits an der Grenze über sich ergehen hatten lassen. Mary Antin erzählt jedoch, dass sie jedes Mal kontrolliert wurde. Vermutlich wurde lieber einmal zu viel als zu wenig untersucht, da es auch im Interesse der Schifffahrts- und Eisenbahngesellschaften lag, gesunde Passagiere zu befördern. Bei den Massen, die an den Stationen untersucht wurden, waren die Kontrollen ohenhin nur oberflächlich.

Bis 1895 lag es in der Verantwortung der Hafenstädte, geeignete Schutzmaßnahmen für sich zu ergreifen. Hamburg sperrte zunächst die Stadtgrenzen für russische Auswanderer mit Zwischendeckkarten. Da diese Sperre aber genauso unwirksam war wie die der preußischen Grenze, verschärften die Behörden die ärztlichen Untersuchungen. In den Auswanderer-Baracken am Amerika-Kai kamen die Migranten in Zwangsquarantäne, um dort auch die letzte Ansteckungsgefahr zu bannen. (bik)


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Erstellt am 01.05.2001

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