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Bordüre

W ie den Nazis Schnippchen geschlagen wurden

Weil die Nazis eine extreme Abneigung gegen Jazz und Swing hatten, mussten sich Musiker einiges ausdenken, um die Musik trotzdem spielen zu können. Sie profitierten dabei sowohl von der Unprofessionalität der Kontrolleure als auch den populären Geschmack.


Die Nazis versuchten, verstärkt ab 1937, den Jazz zu unterdrücken. Ein Hilfsmittel für die Kontrolleure der Reichsmusikkammer sollte folgende Definition sein. Demnach sei Jazz:

    "1. Musik mit verzerrten Rhythmen, 2. Musik mit atonaler Melodieführung und 3. Verwendung von gestopften Hörnern."

Diese Definition war allerdings sehr vage und bot nur ein Negativbild. Die Kontrolleure waren allerdings meist selbst unkünstlerische Menschen und auf Definitionen angewiesen. Nicht umsonst wurden die Kontrolleure auch in der Musikerszene "Synkopenzähler" genannt. So blieben Fans und Musikern noch einige Möglichkeiten, ihren Jazz zu spielen und zu hören.

Tricks der Jazzfreunde

Sobald ein Kontrolleur das Lokal betrat, wurde seichtere Tanzmusik gespielt. Die Notenblätter wurden beschnitten und mit deutschen Titeln und Komponistennamen versehen. So wurde aus dem beliebten "Tiger Rag" der "Schwarze Panther", das alte Jazzlied "A tisket, a tasket" wurde zu "Laterne, Laterne", hinter Arthur Schau verbarg sich Artie Shaw, und Benny Goodmann wurde Herr Gutmann.

Diese Ausweichmanöver waren sehr verbreitet und erstaunlicherweise immer wieder erfolgreich. Dabei hatte Otto Frickhöffer, nationalsozialistischer Kulturapostel, schon 1937 erkannt, dass

    "das, was inzwischen gespielt wird, allenfalls der Beweis einer großen Geschicklichkeit ist, sich der jeweiligen Lage anzupassen, keinesfalls aber der Beweis für eine echte weltanschauliche Wandlung."

Außerdem hatte sich um 1935 herum der Stil der Jazzmusik gewandelt. Aus dem wilden Hot-Jazz der Anfangsphase, gegen den die Nazis immer noch wetterten, war mittlerweile Big Band Swing geworden. Auf diese Musik passten die "Definitionen" der Nazis aber nicht mehr. Es gab kaum mehr Improvisationen oder Soli. Stattdessen wurde sauber vom Blatt gespielt. Swing war auch für viele Nazis durchaus tanzbar. (bik)


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