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Bordüre

E xterne Probleme der Räterepublik

Heimkehrende Truppen verlangten die Beteiligung der alten bürgerlichen Kräfte an der Regierung. Stattdessen wurde die Arbeiterschaft bewaffnet. Doch das Bürgertum blieb in der Verwaltung relaiv unkontrolliert an der Macht und drohte den Räten damit, kein Geld mehr bereit zu stellen.


Ende Dezember 1918 bis Anfang Januar 1919 gerieten die Räte erneut in Gefahr durch heimkehrende reichstreue Truppen. Diese verlangten das "Hamburger Modell": die Wiedereinsetzung des Senats und der Bürgerschaft mit Vetorecht für den Arbeiter- und Soldatenrat. Angesichts dieser drohenden Teilliquidierung der Räte stimmte der Soldatenrat schließlich der Bewaffnung des Proletariats zu - das schien das kleinere Übel. Das reichstreue Regiment 75 wurde durch die revolutionären Soldaten und Roten Garden entwaffnet und eingesperrt. Die kontrarevolutionäre Gefahr war fürs Erste gebannt, der Soldatenrat hatte aber auch an Macht und politischer Kraft eingebüßt.

Konterrevolutionäre Gefahr

Eine ständige kontrarevolutionäre Gefahr bildete das Bürgertum. War es zunächst nach der Absetzung des Senats gelähmt, wurde es schnell wieder aktiv: Ein Beamtenrat entsandte zwei Abgeordnete in den Arbeiterrat, ein Bürgerausschuss forderte bürgerlicher Rechte ein. Diese bürgerlichen Organe wurden zwar immer wieder in ihrer Versammlungs- und Pressefreiheit behindert, aber nicht systematisch unterdrückt. Das Bürgertum übte mit dem Hinweis auf die Finanz- und Wirtschaftskrise einigen Druck auf die Räte aus. Durch die heimkehrenden politisch desorientierten oder reichstreuen Truppenverbände hoffte es auf weitere Einflussmöglichkeiten. Als diese jedoch entwaffnet wurden, war diese Hoffnung zerschlagen. Nun erwartetet die bürgerlichen Kräfte endlich das Eingreifen der Reichsregierung.

Bürgertum drohte mit Geldentzug

Doch noch hatte das Bürgertum auch innerhalb der Stadt Einflussmöglichkeiten, es saß immerhin noch fast unkontrolliert in der Verwaltung. Um die Jahreswende 1918/19 verweigerte der Senat die weitere Finanzierung der Räte. Selbst in der Verwaltung wurden nun Forderungen nach der Absetzung des Senats laut. Der Senat gab schließlich bei und gewährte die benötigten Finanzmittel für die Wehrbataillone und das Arbeitslosengeld. Der Konflikt war erst einmal beigelegt, die Situation blieb aber symptomatisch. (bik)


weiter zur Zusammenarbeit der Bremer Räte mit den alten Gewalten

 

Erstellt am 17.01.2001

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