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F lugblätter und Bilderbogen

Bilderbogen und Flugblätter waren zwei Druckerzeugnisse, die sich im 19. Jahrhundert an sehr unterschiedliche Leser wendete: das konservative Bürgertum und die national gesinnten Arbeiter- und Studentenkreise.


Neben Zeitungen waren die häuigsten Druckerzeugnisse im 19. Jahrhundert die Bilderbogen und die Flugblätter. Bilderbogen waren Druckblätter, die anhand von Bildfolgen und kurzen gereimten Texten erbauen und belehren sollten. Sie verbreiteten seit dem 15. Jahrhundert Nachrichten, waren aber auch früh schon Mittel im religiösen und politischen Streit. Vor allem das deutsche Bürgertum liebte diese Bogen, die denn auch vorzugsweise konservativ-traditionelle Werte widerspiegelten. Einer der berühmtesten Bilderbogen-Zeichner war Wilhelm Busch, von dem vor allem "Max und Moritz" noch heute bekannt ist.

Flugblätter dagegen beschäftigten sich vor allem mit den Nöten des einfachen Volkes. Seit ihrer Entstehung in den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts waren sie gegen die herrschenden (Kommunikations-)Systeme gerichtet. Auch während der Französischen revolution klärten die Flugblätter über den "wahren" Willen des Volkes auf. Die Debatten der Intellektuellen jener Zeit wurden oft über Flugblätter geführt.

Preß- und Vaterlandsvereine

In Deutschland während der napoleonischen Besatzung entdeckten nationale Kreise die Flugblätter für ihre Ziele. Trotz Zensur und Berufsverboten für Verfasser und Drucker dieser Flugschriften wurden nach der Juli-Revolution 1830 zahlreiche "Preß- und Vaterlandsvereine" gegründet, die Flugblätter herstellten. Ihr Ziel: Eine liberale Gegenöffentlichkeit zu den herrschenden restaurativen Kräften zu schaffen, indem Intellektuelle, Bauern und verarmte Handwerker zusammen kämpften. Das taten sie in Wort und auch Bild - Karikaturen wurden von da an zunehmend ein Mittel politischer Agitation.

Die Nähe zum Volk drückt sich auch über die Art aus, in der Flugblätter vertrieben wurden: Sie wurden weitgehend kostenlos verteilt. Bilderbogen dagegen konnten nur von Vertragshändlern oder Kolporteuren gekauft werden. Der Preis, ein Silbergroschen, machte etwa ein Zehntel des Tageslohnes eines Handwerkers aus. (bik)


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Erstellt am 18.04.2002

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