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Bordüre

A uswandererhafen Hamburg

Hamburg war zunächst kein klassischer Auswandererhafen. Doch um der Bremer Konkurrenz zu begegnen, schufen eine Reihe von Gesetzen bessere Voraussetzungen für die Migranten. Da die Privatquartiere in den Spitzenzeiten der Auswanderung nicht reichten, wurden für die Massen Baracken am Amerika-Kai gebaut, später wurden sie ersetzt durch die Auswandererhallen in Veddel.


      Auswandererhallen Veddel

1894, als Mary Antin in Hamburg auf die Abfahrt ihres Dampfschiffes wartete, hatte sich Hamburg als Auswandererhafen einen Namen gemacht. Zu Beginn der großen Auswanderungswellen war Bremen durch entsprechende Gesetze im Vorteil, die sowohl den hanseatischen Kaufleuten als auch den Emigranten nützten: 1832 wurde die Überfahrt auf den Bremer Schiffen geregelt, so dass eine gewisse Sicherheit der Auswanderer garantiert wurde. 1851 wurde in Bremen ein Nachweisungsbüro gegründeté das Transitreisende beriet, vor Betrügern schützte und half bei der Unterkunftssuche in Bremen. Ein Jahr zuvor war in Bremerhaven ein großangelegtes Auswandererhaus für 1500 bis 2000 Personen gebaut worden.

Bremen als Vorbild

Noch 1832 hatte der hamburgische Senat den Handel mit der Auswanderung abgelehnt und mit strengen Gesetzen begrenzt. Doch nachdem schon die Profite der Hamburger Reeder litten und Robert M. Sloman 1836 die "Hamburger Linienschifffahrtsgesellschaft" gründete, blieb dem Senat nichts anderes übrig, als dem Bremer Beispiel zu folgen. Bis in die 1870er Jahre blieb Bremen Vorbild in der Regulation und Kontrolle des Hamburger Auswanderungswesens: 1851 wurde ebenfalls ein Nachweisungsbüro eröffnet; 1892 baute die Hapag Auswandererbaracken in Veddel.

Baracken statt Privatlogis

Zuvor waren die meisten Auswanderer in Hamburg in privater Herbergen untergekommen. In den Jahren 1881-1890 warteten monatlich mehr als 4000 Personen auf die Abfahrt ihres Schiffes. Als 1891 ein enormer Zuwachs an Durchwanderern erfolgte, wurden zuerst aushilfsweise alte Schiffe der Hapag als Logisschiffe und öffentliche Gebäude als Notquartiere verwendet. Schließlich beauftragte der Senat die Hapag mit dem Bau der Baracken auf Staatsgelände am Hafen. Hier war Platz für 1400 Personen. 1901 wurde eine größere und modernere Anlage auf dem Veddel gebaut.

Nach der Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg dienten die Baracken vor allem auch dem Schutz der Bevölkerung vor der Infektion mit Krankheiten durch die osteuropäischen Auswanderer. Auch für die folgenden Jahre galt Barackenzwang mit Quarantäne für alle Russen: Ihnen war es bis 1896 verboten, sich Quartiere in der Stadt zu suchen.

Kopfsteuer fürs Baden

Doch die russischen Juden blieben oft auch nach Aufhebung des Zwangs in den Baracken, da dies die billigste Unterkunftsmöglichkeit war: Eine Mark bezahlte man hier pro Tag für Unterkunft und volle Verpflegung mit relativ guten sanitären und sonstigen Einrichtungen. Die billigste Unterkunft in einem Logierhaus der 3. Klasse kostete seit 1891 bereits zwei Mark.

Mary Antin berichtete, dass die Emigranten direkt vom Bahnhof zu den Baracken am Amerika-Kai gefahren wurden. Dort angekommen, wurden die Auswanderer erneut über ihre finanziellen Mittel und Reiseziele befragt, registriert und desinfiziert. Außerdem wurde eine so genannte Kopfsteuer für das Baden und Desinfizieren erhoben: Zwei Mark für Reisende mit direktem Hapag- bzw. Lloyd-Billet nach Amerika, vier Mark für indirekte Auswanderer. Die Familie wurde durch solche ungeahnten Auslagen ebenso wie durch die bereits geschilderten Komplikationen an der Grenze fast vollkommen mittellos.

Warten auf das Schiff

14 Tage verbrachten Mary Antin und ihre Familie in Quarantäne, obwohl nur sechs Tage vorgeschrieben waren. Wahrscheinlich war es einfacher, die Auswanderer bis zu ihrer tatsächlichen Abreise in den Baracken zu belassen. Eine Trennung in eine "unreine" und eine "reine" Seite, eine solationsstation und Herbergsräume scheint es erst nach 1901 in den Auswanderungshallen auf der Veddel gegeben zu haben. (bik)


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Erstellt am 01.05.2001

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