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Bordüre

V erfolgung der "Swingheinis"

Swingheinis gab es in vielen deutschen Städten. Mit ihrem eleganten Äußeren und ihrer Vorliebe für englische und amerikanische Musik hatten sie wenig zu lachen unter den Nazis. Vor allem in Hamburg wurde rigoros durchgegriffen. Einige Swingfreunde wurden sogar in Konzentrationslager gesperrt.


Ein trauriges Kapitel von Jazz im Nationalsozialmus sind die von den Nazis so genannten Swingheinis in Hamburg, Berlin und anderen deutschen Großstädten.

Die Jugendlichen stammten meist aus dem großstädtischen Gewerbebürgertum. Sie wollten sich nicht der herrschenden Ideologie anpassen, sie zogen amerikanische und englische Jazzmusik der NS-Marschmusik vor. Schon äußerlich distanzierten sie sich vom HJ-Erscheinungsbild: elegant-lässige Kleidung nach englischer Mode und längere Haare waren ihre Kennzeichen. Sie besuchten in Cliquen Tanzveranstaltungen und organisierten private Tanzfeste mit eigenen Schallplatten, machten Ausflüge an den Wannsee oder auf der Alster mit ihrem Koffergrammophon und hörten ausländische Radiosender nach guter Musik ab.

Mit Kriegsbeginn ging die Gestapo rigoroser gegen die Swingheinis vor. Sie bespitzelte die Lokale, in denen sich die Jugendlichen trafen, durchsuchte Wohnungen nach verbotenen Schallplatten und verhaftete viele Swing-Freunde. Arbeitskolonne, Jugend-KZ oder "Frontbewährung" waren die Strafen. Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, ordnete in einem Brief an Reinhard Heydrich, dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes, 1942 ein brutales Vorgehen an:

    "Ich weiß, dass die Geheime Staatspolizei schon einmal eingegriffen hat. Meines Erachtens muss jetzt aber das ganze Übel radikal ausgerottet werden. (...) Alle Rädelsführer (...) sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend erst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerziert und zur Arbeit angehalten werden. (...) Der Aufenthalt im Konzentrationslager für diese Jugend muss ein längerer, 2-3 Jahre sein. (...) Nur, wenn wir brutal durchgreifen, werden wir ein gefährliches Umsichgreifen dieser anglophylen (sic!) Tendenz in einer Zeit, in der Deutschland um seine Existenz kämpft, vermeiden können."

Die Swing-Jugend verstand sich selbst als unpolitisch. Aber ihre Ablehnung des "stupiden Massenzwangs", wie sie den Drill der HJ nannten, und ihre Nähe zum Feind, zur westlichen Lebensart machte sie gefährlich für die Nazis. Etliche der 16- bis 25-Jährigen mussten für ihre Musik- und Freiheitsliebe ihr Leben lassen. Ein häufiger Vorwurf lautete: Rundfunkverbrechen. (bik)

(Wer mehr zu den Swingheinis wissen möchte, sollte auch mein Referat "Swingkids in Bremen" lesen.)

 

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Erstellt am 05.08.2000

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