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Bordüre

S oziale Situation zu Zeiten der Ludditen

Die wirtschaftliche Situation in Mittelengland war am Anfang des 19. Jahrhundert desolat: Hohe Arbeitslosigkeit, eine Regierung, die sich wenig um die Wirtschaft kümmerte, neue Maschinen, die die Löhne sinken ließen. Die Ludditen perfektionierten den gewaltsamen Protest gegen diese neue Ordnung.


Die wirtschaftliche Lage in England hatte sich seit 1809 extrem verschlechtert. Eine Serie von Missernten ließ die Preise für Agrarprodukte steigen. Die USA boykottierten seit 1909 die englischen Waren (Non-Intercourse-Act), hinzu kam die europäische Kontinentalsperre. Die Folge war hohe Arbeitslosigkeit im Textilgewerbe, das hauptsächlich für den Export produzierte.

In dieser schrumpfenden Marktsituation versuchten Meister und Verleger, durch veränderte Herstellungsmethoden, ihre Geschäfte zu retten. Unqualifizierte, oft weibliche Arbeitskräfte und niedrige Löhne sollten die Investitionen wieder einbringen. Die wachsende Lohnarbeiterschicht hatte jedoch keine Möglichkeit, sich gegen die Veränderungen im Arbeitsbereich zusammenzuschließen - der Combination Act von 1799 verbot ihnen zu streiken.

Die Situation war also angespannt. Zudem förderte die englische Regierung seit 1660 technische Innovationen und regelte die Wirtschaft nach dem merkantilen laissez-faire-Prinzip. Trotzdem waren um 1800 die Wirtschaftspioniere noch in der Minderheit, da die Anschaffungskosten der neuen Maschinen für viele kleine Manufakturbesitzer zu hoch waren.

Soziale Veränderungen waren das Ziel

Einige Maschinen, die die Ludditen zerstörten, wie etwa den Strumpfwirkrahmen, waren bereits seit über 200 Jahren im Gebrauch. Gegen andere wurde bei der Einführung kaum protestiert. Die Zerstörung richtete sich nicht generell gegen die Maschine an sich, sondern vielmehr gegen die sozialen Veränderungen, die durch die Maschine, bzw. die vereinfachten Produktionsweisen drohten.

Gerade im damals vorherrschenden Verlagssystem mit seinen speziellen Problemen - die Arbeiter mussten Miete für den Webstuhl zahlen und erhielten nur geringen Lohn und Stückpreis - hatte der Maschinensturm, neben Verhandlungen mit Verlegern und Meistern, eine lange Tradition im Arbeitskampf. Neu waren beim Luddismus nur die zeitliche und räumliche Dimension, der Organisationsgrad und die Intensität des Maschinensturms.

Die Luddismus-Bewegung teilt sich in drei Wellen, die nicht nur geographisch, sondern auch in Bezug auf ihre Aktionsformen und Organisationsgrade sehr klar unterschieden werden können. Der erste Ausbruch erfolgte Anfang Februar 1811 bei den Strumpfwirkern in Nottingham, der zweite etwa zeitgleich bei den Tuchscherern in Yorkshire, die dritte Welle begann im März 1812 bei den Webern Lancashires.

      Verbreitung der Ludditen

Die drei Wellen sind sehr verschieden: In Nottingham war der Maschinensturm eher eine andere Form des kollektiven Verhandelns mittels Aufruhr (collective bargaining by riot). In Yorkshire begann der Sturm ähnlich diszipliniert, entgleiste allerdings im weiteren Verlauf in allgemeine Unruhen. In Lancashire richtete sich der Protest dagegen tatsächlich gegen die Maschinen, und zwar nicht so sehr als Druckmittel wie an den anderen Orten. Hier vermischte sich der Protest schnell mit krimineller und politischer Aktivitäten. Die Autoritäten vermuteten, dass ein Kontakt zwischen den drei Distrikten den Protest weitertrug. Doch Historiker sind sich inzwischen einig, dass die Beweise zu schwach und die Aktionen zu unterschiedlich waren, als dass es direkte Einflüsse gegeben hätte. (bik)


weiter zur ersten Welle in Nottingham

 

Erstellt am 09.01.2001

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