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Bordüre

S wingheinis und Hitler-Jugend

Die meisten Swingheinis gingen mehr oder weniger freiwillig zum Dienst der Hitler-Jugend. Dennoch - wer sich dem entziehen konnte durch Krankheit oder andere Gründe, war oft nicht traurig darüber. Einige waren sogar ganz besonders erfinderisch...


Für die wenigsten Swing-Jugendlichen war es eine Frage, zur Hitler-Jugend zu gehen. Am Sonnabend gingen sie erst zum HJ-Dienst und anschließend zum Swingtanzen. Der Bremer Günther Schnittjer brachte es sogar zum HJ-Führer, trotz seiner musikalischen Vorlieben. Bei einem offiziellen HJ-Aufmarsch zeigte er dem Trommler des Fanfarenzuges heimlich den Rhythmus vom "Song of India". Und Ernst-Heinrich Bullenkamp, der nach dem Krieg das berühmteste Bremer Jazzlokal in der Neustadt hatte, war für sein Klavierspiel bereits Ende der dreißiger Jahre bekannt. Bei geselligen Veranstaltungen der Hitler-Jugend konnte er am späteren Abend auch vereinzelt Jazzmusik spielen, was begeistert aufgenommen wurde.

Aber wer sich z.B. aus gesundheitlichen Gründen vor der HJ drücken konnte oder wenigstens in den Fanfarenzug kam, war froh. Einige waren darüber hinaus sehr erfinderisch, um dem Staatsdienst zu entgehen: Robert Kusserow, Jahrgang 1928, war mit zehn Jahren ins Jungvolk gekommen, doch es gefiel ihm dort nicht. Als er mit 14 Jahren in die eigentliche Hitler-Jugend übernommen werden sollte, verzögerte er den Übergang so lange wie möglich. Erst als das nicht mehr möglich war, meldete er sich an. Er wollte gern in den Fanfarenzug. Doch da er kein Instrument beherrschte, wurde er nicht einmal als Trommler aufgenommen.

Swing beim Schnellkommando

Ein Freund erzählte ihm von den Schnellkommandos bei der Polizei. Sie mussten bei Fliegeralarm als Melder zur Luftwaffenzentrale laufen und bei Bombenschäden das Gelände absperren, damit die Löscharbeiten nicht behindert wurden. Die Jungen vom Schnellkommando schliefen drei bis vier Nächte pro Woche unter dem Dach der Polizeiwache. Eines Tages brachte einer von Kusserows Freunden ein Grammophon mit:

    "Da hörten wir quasi unter Aufsicht der Polizei Jazzplatten."

Als dann jedoch auf Weisung aus Berlin die Schnellkommandos nach "Drückebergern" wie ihm durchsucht wurden, wagte Kusserow die Flucht nach vorne: Er meldete sich freiwillig zu den Panzerjägern. Das Kriegsende verhinderte, dass er noch an die Front kam. (bik)


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Erstellt am 04.08.2000

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