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Bordüre

M ilitärische Intervention und das Ende

Ende Januar 1919 zogen Freikorpstruppen gegen die Stadt. Gleichzeitig gab es Verhandlungen über eine vorzeitige Kapitulation der Räterepublik. Doch die Verhandlungsergebnisse wurden vom Angriff der Truppen überholt: Nach kurzen, aber heftigen Gefechten übernahm Oberst Gerstenberg das Kommando über die Stadt und setzte eine provisorische Regierung ein. Die Räterepublik Bremen war niedergeworfen worden.


Am 29. Januar 1919 traf ein Freikorps-Division unter Oberst Wilhelm Gerstenberg in Verden ein mit 3500 Soldaten und 24 Geschützen. Unterstützung erhielt sie von einem Freiwilligen-Korps aus der Bremer Oberschicht von 300 Mann. Ihr Ziel war es, "Ruhe und Ordnung wiederherzustellen": Der Rat der Volksbeauftragte sollte sofort abgesetzt, die Arbeiterschaft entwaffnet und die Waffen an das Regiment 75 beziehungsweise die Division Gerstenberg übergeben werden.

Ein Angebot der Räte, über einen Waffenstillstand zu verhandeln, weil die Arbeiterentwaffnung nicht so schnell vorwärts ging wie befohlen, wurde von der reichsregierung abgelehnt. Ebenso die Vorschläge aus Oldenburg und Hamburg, ebenfalls ehemalige Räterepubliken, den Sicherheitsdienst in Bremen zu übernehmen. Die Division Gerstenberg hielt an ihrem strikten Marschbefehl und ihren Unterwerfungsforderungen fest.

Unterwerfung statt Kampf

Diese Unterwerfung schien allen Revolutionären in Bremen, vor allem den Kommunisten, unannehmbar. Schließlich gab man aber doch nach, um ein Blutbad zu verhindern. Die Verhandlungen, die gleichzeitig in Berlin und in Verden geführt wurden, überschnitten sich zeitlich. Dadurch war in Berlin schon kapituliert worden, Verden hatte aber bereits den Angriff befohlen. Der Angriff der Regierungstruppen am 4. Februar 1919 war unausweichlich.

Der Angriff erfolgte ab 10:15 Uhr auf beiden Seiten der Weser. Nach einigen Kämpfen, bei denen allein 24 Soldaten starben, war die Stadt bis zum Abend vollständig vom Freikorps erobert. Die Reichstruppen waren an Zahl und Ausstattung, Disziplin und Ausbildung deutlich überlegen.

Provisorische Regierung

Oberst Gerstenberg übernahm den Oberbefehl über die Stadt, entwaffnete alle irregulären Truppen, bildete eine Regierungsschutzmacht und eine bürgerliche Stadtwehr. Eine Amnestie für die Verantwortlichen der Räte wurde abgelehnt. Allerdings konnten der alte Senat und die Bürgerschaft nicht wieder eingesetzt werden - dies wäre als Gegenrevolution gewertet und erbittert bekämpft worden. Also wurde eine provisorische Regierung gebildet, bis eine Bremer Nationalversammlung einberufen werden konnte: Fünf 5 MSPD-Politiker und ein "juristischer Beirat" aus ehemaligen Senatoren.

Im Laufe der folgenden Tage wurde auch die Räterepublik in Bremerhaven niedergeworfen, entwaffnet und die Stadt besetzt. Damit waren alle norddeutschen Räterepubliken von der Reichsregierung beendet worden und die "bürgerliche Ruhe und Ordnung wiederhergestellt". (bik)


Erstellt am 17.01.2001

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