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I nterne Probleme der Räterepublik

In den Arbeiter- und Soldatenräten kam es immer wieder zu Streitigkeiten über den künftigen Kurs: Sowohl die Frage, ob sich Bremen an den Wahlen zur Nationalversammlung beteiligen sollte, als auch die Frage der Arbeiterbewaffnung waren strittig. Die Kommunisten und radikale USPD-Mitglieder konnten sich durchsetzen.


Die Schwierigkeiten innerhalb der Arbeiter- und Soldatenräte wurden besonders deutlich an den Fragen der Wahlen zu der Nationalversammlung, der Bewaffnung des Proletariats und der Radikalisierung des zukünftigen Kurses.

Streit über Wahlen zur Nationalversammlung

Die bürgerlichen Parteien sahen in den für den 19. Januar 1919 ausgeschriebenen Wahlen zu der Nationalversammlung eine Chance, das Rätesystem zu stürzen. Sie unterstützten die Wahlen deshalb. Aus dem gleichen Grund lehnten die Kommunisten die Wahlen allerdings genauso vehement ab. Die Mehrheitssozialdemokraten befürworteten die Wahlen, da die Nationalversammlung für sie die einzig vertretbare Form der Demokratie war. In der USPD war man sich nicht einig. Mehrheitlich war die Partei für das Erfurter Programm und damit auch für die Wahlen. Allerdings wollte sie den Zeitpunkt aus taktischen Gründen verzögern: Ssie hoffte darauf, einige soziale veränderungen zuvor durchsetzen zu können, die anschließend nicht mehr rückgängig gemacht werden konnten. Außerdem sahen sie die realen Machtverhältnisse im Reich und fürchteten eine Isolation Bremens. Diese unterschiedlichen Meinungen herrschten auch innerhalb der Räte und erschwerten die Zusammenarbeit.

Rote Garden oder Arbeiterbewaffnung

Ein weiterer Konfliktpunkt innerhalb der Räte war die Bewaffnung der Arbeiter. Die Linksradikalen im Arbeiterrat, die sich in der Zwischenzeit zur Abgrenzung von den anderen linken Parteien in "Internationale Kommunisten Deutschlands Gruppe Bremen" umbenannt hatten, forderten die Entwaffnung der Soldaten. Stattdessen wollten sie Rote Garden bilden von je 1000 Mann Stärke, von denen einige als aktive Batallione kaserniert werden sollten, andere sollten passiv mit der Waffe zur Arbeit gehen. So sollte das Rätesystem gegen innere und äußere Bedrohungen geschützt werden. Der Soldatenrat bestand seinerseits auf seinem Waffenmonopol. Die Folge dieses Konfliktes war, dass die Kommunisten trotz allem zuverlässige Arbeiter bewaffneten und der Soldatenrat sich Waffenbündnissen mit anderen Soldatenräten in Hannover und Wilhelmshaven anschloss.

"Säuberung" der Räte

Dies war ein erstes Zeichen der wachsenden Radikalisierung innerhalb des ultralinken Spektrums in den Räten. Zur gleichen Zeit kehrte Johann Knief nach Bremen zurück, ein kommunistischer Dogmatiker, der zum Gegenspieler des bis dahin führenden Pragmatikers Alfred Henke avancierte.

Die Kommunisten wollten nach der "bürgerlichen Revolution", die mit der Kaiserabsetzung begonnen hatte, keine Konsolidierung der Verhältnisse. Sie trieben die "proletarische Revolution" mit einem verschärften Klassenkampf voran und versuchten, die USPD durch Massenaktionen unter Druck zu setzen. Henke mußte angesichts Kniefs radikaler Agitation "Farbe bekennen", um nicht die Massenbasis der USPD zu verlieren.

Als die Kommunisten forderten, dass die Räte von "Arbeiterverrätern" - also von MSPD-Mitgliedern gereinigt werden, unterstützte die USPD sie zunächst. Ende Dezember schied die MSPD jedoch aus den Räten "freiwillig" aus - eine Reaktion auf die Radikalisierung der beiden anderen linken Parteien. Der Puffer zwischen Räten und Senat fehlte damit, der Gegensatz verschärfte sich. (bik)

 

weiter zur Zusammenarbeit der Bremer Räte mit den alten Gewalten

 

Erstellt am 17.01.2001

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