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K arikatur als politische Waffe

Karikaturen als Zerr- und Spottbilder wurden seit dem 18. Jahrhundert immer beliebter. Weil sie aber auch immer eine geistige Waffe gegen die Mächtigen waren, wurden sie nicht selten zensiert. Dabei will die politische Karikatur nicht ein Abbild der Wahrheit sein, sondern eher ein Symbolbild.


Der Begriff "Karikatur" meint im deutschen Sprachgebrauch zweierlei: Es kann sowohl Zerrbild als auch Spottbild. Ein Zerrbild ist ein absichtlich verzerrtes Spiegelbild von Personen, Einrichtungen oder Zuständen, während das Spottbild mehr eine ganze Gruppe oder Institution meint.

Obwohl es Karikaturen bereits seit dem 16. Jahrhundert gibt, wurden sie besonders im 18. Jahrhundert beliebt. Seit der Französischen Revolution sind sie ein Mittel im politischen Kampf. Von England aus wurde die Karikatur als geistige Waffe gegen Napoleon Bonaparte auch in Europa verbreitet, erst nur in der Außen-, bald aber auch in der Innenpolitik.

Opfer der Zensur

In Deutschland führte erst die Revolution von 1848 zum großen Durchbruch der Karikatur. Die Karikatur wird zu einem beliebten Gestaltungsmittel für gesellschaftliche Problemanalysen und politische Programme. Aus genau diesem Grund wurden Karikaturen auch immer wieder von den verschiedenen Regierungen eingeschränkt.

Allerdings wurde im restaurativen 19. Jahrhundert die Zensur auch immer wieder aufgehoben, wie 1842 von Kaiser Friedrich Wilhelm IV. Diese Zensurfreiheit dauerte zwar nur wenige Monate, hatte aber einen wahren Sturm an Karikaturen zur Folge. Vor allem wenn die Karikaturen die Verhältnisse im "Ausland", also in den anderen deutschen Kleinstaaten ankreideten, drückte die Zensur im Deutschen Bund gerne ein Auge zu. Deshalb wurden viele preußische Karikaturen im liberaleren Sachsen gedruckt und dann nach Berlin geschmuggelt.

Verschiedene Typen

Bei den Karikaturen werden verschiedene Typen unterschieden: apersonale Sachkarikatur, personale Typenkarikatur und personale Individualkarikatur. Die Sachkarikatur bezieht sich, wie der Name bereits sagt, auf Sachen und Gegenstände, während die personale Individualkarikatur Individuen, vor allem bekannte Politiker mit besonders charakteristischen Accessoires abbildet. Die personale Typenkarikatur jedoch stilisiert Einheiten wie Staaten oder soziale Gruppen auf einen Idealtypus hin. Eine Karikatur-Figur steht dann für die ganze Einheit. Das kann der deutsche Michel sein oder die französische Marianne, beide stehen für die ganze Nation und werden mit ihr verknüpft.

Die politische Karikatur will Wahrheit aufdecken, jedoch nicht, indem sie die Wahrheit abbildet, sondern indem sie ein Sinnbild darstellt. Dafür verwendet sie als wesentliches Stilelement die Verfremdung. Doch darf diese Verfremdung nicht überzogen werden. Die karikierte Person, Gruppe oder Geschehen muss noch erkennbar sein, durch charakteristische Accesoires oder Ausdrücke. Die Karikatur spricht sowohl die Vernunft als auch die Emotion des Betrachters an. Dadurch stellt sie Bezüge her zwischen Wirklichkeit und Verfremdung. (bik)


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Erstellt am 18.04.2002

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