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D ie Kluft zwischen Wien und Österreich

Wien war die Hauptstadt der Donaumonarchie, hier entfaltete sich der Pracht der K.u.K.-Dynastie in vollem Maße. Der Einfluss der Stadt auf das Land und umgekehrt blieb jedoch minimal - Wien wurde von den Österreichern immer als Wasserkopf empfunden.


Das Wien der Donaumonarchie nahm in kultureller Hinsicht eine herausragende Stellung ein. Die prachtvolle Architektur der Ringstraße, die feinen Künste, die vom Adel und reichen bürgerlichen Mäzenen unterstützt wurden, hatten europäischen Rang. Künstler kamen nach Wien, um sich hier einen Namen zu machen. Prunkvolle Theater und Sommerpaläste wie Belvedere und Schönbrunn entstanden, die Kultur repräsentierte den Absolutismus.

Allerdings beeinflusste diese Kultur das österreichische Land kaum. Im Gegenteil: Im 19. Jahrhundert galt Wien als "Operettenmetropole" und "Walzerhauptstadt". Die ländliche Bevölkerung dagegen musste während des Wiener Kongresses die Kosten für die diplomatischen Festlichkeiten tragen.

Umgekehrt war auch der Einfluss des Reiches auf die Hauptstadt minimal: Das ländliche Proletariat gab seine Kultur unter der Industrialisierung weitgehend auf und urbanisierte schnell. Die Trennung von Stadt und Land wurde immer größer. Die Identifikationsfigur des großen Donaureiches war, wenn überhaupt, der Kaiser, nicht aber die Hauptstadt Wien.

Nach dessen Tod 1916 führte die alte Kluft zwischen Land und Stadt zu neuen Spannungen: Österreich war zu einem Rumpfstaat geschrumpft, Wien galt als missliebiger Wasserkopf (siehe auch die Nachkriegssituation).

1922 wurde Wien aus dem umgebenden Niederösterreich herausgelöst und zum eigenständigen Bundesstaat. Doch was in Wien unter einer "roten" Regierung geschah, wurde weiterhin von der Republik Österreich skeptisch beobachtet. (bik)

 

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Erstellt am 10.08.2000

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