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W as ist das Geheimnis?

Über die Jahrzehnte blieb Löns beliebt, wenn auch aus jeweils anderen Gründen. Er schien grundlegende Bedürfnisse bei seinen Lesern anzusprechen: Orientierungslosigkeit in Zeiten des Umbruchs, Heimatliebe und naturromantische Vorstellungen. Die Kontinuitäten werden verdrängt.


Hermann Löns ist ein Beispiel für lang anhaltenden Erfolg, unabhängig von der jeweiligen Staatsform und dem aktuellen Gesellschaftssystem. Von der Kaiserzeit bis zur Bundesrepublik erfüllte er offenbar grundlegende Bedürfnisse bei seinen Lesern und Bewunderern, konstatiert Michael Dupke.

Heide

Doch was ist das Geheimnis seines Erfolges? Löns schilderte in seinen Werken immer wieder eine Natur, die in dieser Unberührtheit bereits zu seinen Lebzeiten nicht mehr existierte. Damit bot er seinen Lesern eine "Kompensation für das Leben in einer Industriegesellschaft". Zugleich schuf er damit eine Modellvision für ein Leben, in dem die Menschen durch den Rückzug in die "heile Natur" Kraft schöpfen.

Umbruch und Orientierungslosigkeit

Außerdem lebte Löns selbst in einer Zeit des Umbruchs. Das wilhelminische Deutschland erlebte den Beginn der Moderne, was verbunden war mit vielen Ängsten und Orientierungslosigkeit. In diesem Moment, schreibt Dupke, lieferte Löns mit den "Konzepten Volk, Nation und Heimat ein Sinnangebot für das Leben in einer Massengesellschaft". Damit kam er dem "Bedürfnis nach kultureller Identität" entgegen.

Diese Unsicherheiten gab es auch in den Umbruchsituationen der 20-er und der 50-er Jahre. Sogar heute noch hinterlässt der "Wechsel von der Industriegesellschaft zur computerisierten Informationsgesellschaft ähnliche Defizite in der psychischen Verfassung des modernen Menschen wie die Umbruchphase der Jahrhundertwende". Der "Frage nach der eigenen Stellung in der Gesellschaft und der eigenen Identität" kann, so Dupke, auch heute mit der Löns'schen Pseudo-Antwort begegnet werden: dem Trost durch den literarischen Rückzug in die Natur mit ihren traditionellen Werten.

Vorkämpfer für Naturschutz?

Heute gilt Löns in politisch neutralen Kreisen auch als "erster Ökologe" und Vorkämpfer für den Naturschutz. Tatsächlich hat er 1911 den ersten deutschen Naturschutzpark in der Lüneburger Heide mitbegründet, der Vorbild für viele andere Parks wurde. Dupke warnt jedoch:

    "Löns' Engagement war nicht von ökologischen Beweggründen bestimmt, sondern von ästhetischen und politischen Aspekten, die typisch waren für die Naturschutzarbeit der Jahrhundertwende."

Seine naturromantischen Vorstellungen ließen keine Veränderung der Naturidylle zu. Ölbohrtürme, die um die Jahrhundertwende in der Heide entstanden, lehnte er ab. Denn sein rassisches Überlegenheitsgefühl fürchtete, dass die Bindung an die Natur als Kraftressource für die stärkste Rasse, nämlich die deutsche Rasse, dadurch vernichtet werden könnte. Naturschutz war für Hermann Löns, spitzt Dupke zu, "zielbewusste Vaterlandsliebe", nicht ökologische Erwägung.

Die heutigen Löns-Verehrer, kritisiert Dupke, sind sich dieser Hintergründe oft nicht bewusst. Überhaupt wurden "die Kontinuitätslinien des völkischen Naturschutzes nach 1945 verdrängt". Und die Löns-Vereine, in deren Händen die Löns-Forschung hauptsächlich liegt, tun sich auch schwer damit, diese falschen Löns-Bilder richtig zu stellen. Immerhin baut ein großer Teil des Fremdenverkehrs der Lüneburger Heide noch heute auf diesem Mythos auf. Doch gerade diese historischen Defizite machen laut Dupke die uneingeschränkte Verehrung des Mythos Löns so gefährlich. (bik)

 

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Erstellt am 23.11.2000

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