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K ünstler und Kämpfer

Für die Nationalsozialisten war Hermann Löns ideal: Seine Heimatliebe ließ sich leicht mit ihrem Blut-und-Boden-Gedanken vereinbaren. Auch sein "Heldentod" im Ersten Weltkrieg wurde von ihnen aufgewertet: Sein angeblicher Leichnam wurde aufwändig, wenn auch mit vielen Pannen umgebettet.


Von den Nationalsozialisten wurde Löns zu propagandistischen Zwecken benutzt. Sie stellten ihn in ihre "germanische Tradition". Kennzeichnend hierfür steht die Geschichte seiner Beisetzung in der Lüneburger Heide, die Michael Dupke nachzeichnet:

Sein Leichnam wurde angeblich 1934 auf einem französischen Acker gefunden. Sofort ordnete Hitler persönlich die Umbettung in deutsche Erde und ein Staatsbegräbnis für den "Märtyrer des Weltkrieges" an. Sein Grab sollte künftig bei den "Sieben Steinhäusern" sein, etwa 5000 Jahre alten Hünengräbern. Dies sollte die arische Tradition von der Steinzeit bis ins faschistische Deutschland aufzeigen.

Soldatentum glorifizieren

Nach einigen Pannen bei der Umbettung wurde der Leichnam zunächst in aller Stille im November 1934 von der SA beigesetzt - an der Landstraße von Soltau nach Harburg. Ein Jahr später setzte die Reichswehr ein deutliches Zeichen, als sie Löns' Leiche erneut umbettete und bei Walsrode im Wacholderpark bestattete. Nun sollte weniger die heidnisch-germanische Tradition propagiert, sondern vielmehr das Soldatentum von 1914 glorifiziert werden. Ein Findling weist noch heute auf den berühmten Heimatdichter hin.

  Loensstein  

Die Aufregung um seine dreifache Bestattung und einige weitere Unklarheiten ließen bereits damals Zweifel an der Echtheit der Leiche aufkommen. Heute scheint klar, so Dupke, dass die Leiche, die in der Lüneburger Heide beigesetzt wurde, nicht der Körper von Hermann Löns war. Denn die Leiche wurde einem Massengrab entnommen, 20 Jahre nach dem Tode Löns', und war entsprechend stark verwest. Die Erkennungsmarke, die bei ihr gefunden wurde, kann nicht die von Hermann Löns sein, denn diese war bereits 1914 seiner Familie zugesandt worden. Außerdem wurde niemals eine Skelett-Untersuchung vorgenommen, obwohl sich die Hausärzte von Löns dazu bereit erklärt hatten.

Heimatverbunden und sozialdarwinistisch

Die Vereinnahmung von Hermann Löns durch die Nationalsozialisten kam jedoch nicht ganz ohne sein eigenes Zutun noch zu Lebzeiten: Er selbst hatte sich immer wieder sozialdarwinistisch und rassisch-völkisch geäußert. Seine Heimatverbundenheit passte zur Blut- und Boden-Mentalität der Nationalsozialisten. So wurden seine Naturskizzen im Naturkunde-Unterricht des Dritten Reiches gelesen. Seine Lieder waren sehr beliebt bei der HJ. Sein Roman "Grün ist die Heide" wurde erstmals 1934 verfilmt. Nach und nach, folgert Dupke, wurde Löns sowohl zur "Symbolfigur des deutschen Soldaten" als auch zum "Propheten des Dritten Reiches" stilisiert.

Verklärte Biografien

In dieser Zeit entstanden auch zwei Biografien über den Dichter. Sowohl die Arbeit von Erich Griebel als auch die von Wilhelm Deimann ("Der Künstler und Kämpfer", Hannover 1935) waren stark ideologisch gefärbt. Aus dem Vorwort von Deimann:

    "Die große Volkstümlichkeit des Dichters hat seltsamerweise den einen oder anderen veranlasst, in die reine Höhe des Lönsschen Künstlertums Zweifel zu setzen."

Sein Buch kommt zu dem Ergebnis, dass Löns einer der größten deutschen Landschaftsdichter und Vater der neuen deutschen Tierdichtung sei. "Mehr noch: Sein Leben erweist sich als ein einziger Kampf um die deutsche Seele. Der Abschluss war Kampf und Opfertod für Deutschland." (bik)

 

weiter zur Rezeption nach 1945

 

Erstellt am 23.11.2000

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