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Bordüre

L ange Haare und Borsalino-Hut

Als "Stenze" fielen die Swingheinis auch in Bremen auf. Möglichst lange Haare gehörten dazu, elegante Anzüge und Mäntel, schicke Kleider. Erfindungsreich wurden die nötigen Assecoires selbst noch im Krieg besorgt.


Richtige "Stenze" waren die Swingkids, wie man damals sagte. Margarethe Berberich, Jahrgang 1914, erinnert sich an die etwa zehn Jahre jüngeren Swing-Freunde in Bremen:

    "Die Hotter erkannte man gleich. Die Haare ein bisschen länger, obwohl sie es nicht durften, und die Hosen ein bisschen schlabberiger, und denn einen Schal um, also irgendwie ein bißchen auf Theater gemacht. Die nahmen sich selbst sehr wichtig."

Frisur war Prestigesache

Die Länge der Haare war prestigeträchtig. Am besten sollten die Haare bis über das Kinn gehen, wenn man sie ins Gesicht kämmte. In den Friseurstuben hingen aber Schilder, nach denen es nicht erlaubt war, Jungen unter 18 Jahren etwas anderes zu schneiden als den militärisch kurzen "Führer- oder Kommisschnitt", also Streichholzlänge und zwei Finger breit über dem Ohr blank. Doch die Jungen hatten bald heraus, welche Friseure ihnen auch zivile Fasson-Frisuren schnitten. Bei denen konnten die Nackenhaare wachsen. Ab und zu wurden die Swing-Freunde aber auch von der Hitler-Jugend aufgegriffen, wie sich Robert Kusserow, Jahrgang 1928, erinnerte, dann wurden ihre Haare derart kurz geschoren, dass sie sich schämten, so in die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Kleidung der Stenze

Wenn sich die Swingkids trafen, um Musik zu hören oder zu tanzen, legten sie äußersten Wert auf elegante Kleidung. Ein leger gebogener Borsalino- oder Stetson-Hut, maßgeschneiderte Anzüge aus feinsten Stoffen und auffällige Krawatten gehörten zur stilechten Aufmachung. Schuhe wurden mit dicker Kreppsohle ausgestattet, aus alten Autoreifen selbst zugeschnitten. Kaum 16-, 17jährigen Jugendlichen organisierten selbst im Krieg noch rote Seidenhemden, weiße Seidenschals und helle Staubmäntel. Ein eng zusammengerollter Regenschirm komplettierte den Aufzug ebenso wie eine englische Zeitung in der äußeren Manteltasche.

Die Mädchen standen den Jungen in Eleganz in nichts nach. Mit Seidenstrümpfen und femininen Kleidern gingen sie aus, oder sie schneiderten sich die Hosen ihrer Väter um. Sie "taten ganz auf elegante Dame". Die Zigarettenspitze gehörte dazu - auch wenn sie nach eigenen Angaben kaum richtig rauchen konnten.

Teures Hobby

Modische Vorbilder der Swings waren unverkennbar amerikanische Filmstars, die sie vor 1940 in Hollywood-Filmen bewundern konnten, aber auch deutsche und europäische Filmschauspieler wie Marlene Dietrich und Johannes Heesters waren beliebt. Wer nicht das nötige Geld von seinen Eltern bekam, besorgte sie die Kleidung vom Trödler und ließ sie sich umnähen oder jobbte als Pennäler im Hafen, um sein teures Hobby zu finanzieren.

Es gab auch HJ-Führer in Bremen, die die "Niggermusik" schätzten. Walter Brandes, Jahrgang 1930, erzählt von seinem HJ-Führer Günther Schnittjer, später ein bekannter Jazz-Gitarrist. Schnittjer trug unter seiner HJ-Uniform manchmal einen weißen Seidenschal und war überhaupt ein ganz besonders großer "Stenz". (bik)

 

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Erstellt am 04.08.2000

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