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M ansren-Kult

Der Mansren-Kult war der erste Cargo-Kult in Melanesien und hielt sich unter verschiedenen Führern und in verschiedenen Varianten 65 Jahre lang. Immer wieder verkündeten Propheten die Ankunft des Kult-Idols Mansren, der die Welt erschaffen und dann in den Westen verschwunden sein sollte - aus dieser Richtung kamen Weiße und die ersehnten Cargo-Güter. Die Kolonialherrscher empfanden den Mansren-Kult immer mehr als Bedrohung.


Palme

Der erste Cargo-Kult überhaupt, der Mansren-Kult, trat 1857 in Niederländisch-Neuguinea auf. Ihm folgten in den folgenden 65 Jahren zahlreiche Bewegungen. Ursprünglich basierte er auf dem Mythos von Mansren, der den traditionellen Ursprungs- und Schöpfungsmythen folgte:

Ein alter hässlicher Mann lebte allein auf einer einsamen Insel. Ab und zu bereitete er sich etwas Palmwein. Eines Tages bemerkte er, dass ihm jemand von diesem Wein stahl. Er legte sich auf die Lauer und stellte den Dieb: Es war der Morgenstern in der Gestalt eines Jünglings. Dieser versprach ihm drei Wünsche, wenn er ihn frei ließe. Der Alte wünschte sich Schönheit und Jugend, ein Zauberholz, der alles Wirklichkeit werden ließ, was man damit in den Sand zeichnete, und eine Frucht, die eine Frau schwanger machte, wenn sie nach ihr geworfen wurde.

Mansren und Konor

Der alte Mann probierte diese Frucht sofort an einem jungen Mädchen aus. Das Mädchen gebar einen Sohn, und um den Vater festzustellen, wurde im Dorf ein Tanzfest veranstaltet. Als das Baby den alten Mann sah, sprach er ihn mit "Vater" an. Das ungleiche Paar wurde aus dem Dorf verstoßen und fuhr mit einem Kanu davon, das das Zauberholz geschaffen hatte.

Unterwegs schuf der alte Mann die einzelnen Inseln Melanesiens, damit sein Sohn Konor Land zum Spielen habe. Um seine Frau zu erfreuen, beschloss der Alte, seine alte hässliche Haut in einem Feuer abzuwerfen und als strahlender junger Mann herauszutreten. Daraufhin nannte seine Frau ihn Mansren. Weil seine Frau sich Gesellschaft wünschte, erschuf Mansren die Menschen und ordnete sie in vier Stämme, gab ihnen Recht und Ordnung, heilte die Kranken und regierte lange Zeit über sie.

Herrschaft der Glückseligkeit

Diese Herrschaft der Glückseligkeit endete allerdings, als einige Völker gegen Mansren zu meutern begannen. Mansren verließ die Menschen im Zorn, begab sich in ein fernes Land im Westen und brachte den Menschen dort Wohlstand. Im Westen lag traditionell das Totenreich.

Als nun die Weißen aus dem Westen kamen, so bleich wie die Toten, war klar, warum sie so reich und mächtig waren - sie waren von Mansren gesegnet. Eines Tages aber, so versprach der Mythos weiter, würde Mansren zurückkehren und auch den Bewohnern der Inseln alles Wichtige beibringen. Als Boten wird Mansrens Sohn Konor kommen. In dem Goldenen Zeitalter des Koreri würde Einheit, Überfluss, Friede und Harmonie herrschen.

Konor verkündet Cargo

1857 tauchte das erste Mal ein Mann auf, der sich Konor nannte. 1867 und 1883 folgten weitere Konors, doch diese ersten Propheten hatten noch wenig Einfluss. 1886 wurde erstmals die Ankunft von Schiffen mit Gütern, "Cargo", prophezeit. Dieser Konor brachte auch anti-weiße Tendenzen in den Mansren-Glauben. Meutereien, Angriffe auf eine Fabrik und die Ermordung eines weißen Kolonialbeamten waren die Folgen. Nach einigen Verhaftungen war diese Phase des Kultes zuende.

1909/10 führte ein neuer Konor die Feindschaft gegen die Weißen an: Er verkündete, Mansren werde als König der Papua zurückkehren, wenn alle Fremden aus dem Land vertrieben seien. Der Konor rief zu passivem Widerstand gegen die Regierung und das Steuersystem auf. 1911 wurde er verhaftet, behielt aber seinen Einfluss in der Bevölkerung - die Unzufriedenheit wuchs.

Güter und Fabriken

1928 forderte ein weiterer Konor, die Kultanhänger sollten ihre Arbeit aufgeben, da Mansren 10 Tagen nach dem Weltende kommen werde. Obwohl das Weltende nicht kam, konnte der Konor auch nach seiner Verhaftung Tausende Anhänger versammeln. 1934 erweiterte sich die Prophezeiung: Nicht nur Cargo sollte sich an Bord der Schiffe Manrens befinden, sondern auch Fabriken. Damit hätten die Melanesier selbst die Produktionsmittel in ihren Händen.

In dem Jahrzehnt vor dem Zweiten Weltkrieg tauchte fast jedes Jahr ein neuer Konor auf. Regelmäßig wurden die Kulte von den Weißen unterdrückt, doch auch der Widerstand und die Gewalttätigkeiten wuchsen.

Jesus war ein Papua

Gleichzeitig wurden immer mehr christliche Elemente in die Kultformen eingewoben. Vor allem die apokalyptischen Passagen hatten es den Konors angetan. Die Kultanhänger verstanden sich selbst als "wahre Erben" der Menschen des Alten Testaments und benannten ihre Dörfer nach biblischen Dörfern um. Sie glaubten sogar, dass Jesus Christus in Wahrheit ein Papua sei und die Weißen dies durch Herausreißen der ersten Seite der Bibel verheimlicht hätten.

Die Bewegung wurde langsam zur Lawine. Gerüchte kamen auf, dass Mansren aus Holland über Deutschland oder Japan zurückkehren werde. Die Gesänge, die die Riten begleiteten, wurden kriegerischer. Immer mehr Menschen weigerten sich, Steuern zu zahlen, und vernichteten ihre Nahrung - sie erwarteten ja baldigen Überfluss. Die Religion nahm immer mehr Züge eines selbstbewussten kulturellen Papua-Nationalismus an.

Zweiter Weltkrieg

1942, kurz vor der Ankunft der Japaner, wurde der Kult noch revolutionärer. Ein neuer Führer formierte geheime Truppen mit selbstgemachten Uniformen, die Holzgewehren sollten sich bei Mansrens Ankunft in echte Gewehre verwandeln. Zunächst unterstützten diese Truppen die Japaner, da sie von ihnen die Befreiung und Vorbereitung der Wiederkunft Mansrens erwarteten.

Doch die erste Begeisterung verflog rasch: die Naturalsteuer, die die neuen Herren erhoben, war schlimmer als die Steuerlast während der holländischen Kolonialzeit. Die Kultanhänger zogen daraus die Konsequenz: Die folgende Lehre forderte die Befreiung von jeglicher Fremdherrschaft und wurde noch gewalttätiger. Da die Papuas jedoch keine Waffen besaßen, massakrierten die Japaner viele Kultanhänger. Nach und nach wurden die militanten Gruppen zerschlagen.

Amerikaner als Befreier?

1944 kamen die Amerikaner auf die Insel. Sie verteilten Essen und retteten die Eingeborenen damit vor dem Hungertod: Durch die eigene Vernichtung der Nahrung und die Zerstörung durch die Japaner herrschte bittere Armut. Die Amerikaner gaben auch Waffen aus, mit denen Jagd auf versteckte Japaner gemacht wurde. Der Cargo-Kult nahm nun an, dass die Amerikaner die Befreier seien, und die Anhänger glaubten, dass ihnen alles gehören würde, wenn die Amerikaner wieder gingen. Doch das Cargo kam wieder nicht ihnen zugute, auch das Millennium kam nicht, und der Glaube an Mansren, den Erlöser schwand. (bik)


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Erstellt am 24.05.2001

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