Bordüre

M aschinenstürmer, Fabrikenprotest und Ludditen

Englische Ludditen und deutsche Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts wehrten sich gegen neuen Maschinen in der Textilindustrie, die ihnen Arbeit, Lohn oder Status strittig machten. Mit der Zerstörung von Maschinen oder anderem Fabrikantenbesitz protestierten sie für den Erhalt der alten Ordnung. Ihre Aktionen waren zum Scheitern verurteilt, aber sie waren langfristig nicht so erfolglos, wie oft angenommen wird.


Gerhard Hauptmann hat sie in seinem Drama "Die Weber" im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht, ebenso Heinrich Heine mit seinem Gedicht "Die schlesischen Weber", in England und Amerika machen sie als Neo-Ludditen heute wieder von sich reden: die Maschinenstürmer. In einer Zeit des Wandels von der vor- in die frühindustrielle Gesellschaft reagierten immer wieder Heimgewerbetreibende vor allem in der Textilbranche so, wie sie es noch von früher kannten - sie zerstörten die Maschinen und den Reichtum der Frühkapitalisten, die ihre Zukunft bedrohten.

Fabrik

Bei diesem sozialen Protest gab es sowohl Maschinensturm als auch Fabrikenprotest: Beim Maschinensturm wurden Maschinen, Rohstoffen und Waren gewaltsam zerstört, der Fabrikenprotest zerstörte das persönliche Eigentum des Fabrikanten, Haus und Möbel, alles, womit der verhasste Kapitalist in den Augen der Protestierenden "protzte". Der Übergang war fließend. Vor allem in der Zeit von 1800 bis 1850 kamen diese Proteste in fast allen industriell entwickelten europäischen Ländern vor. Zwar reicht die Tradition bis ins 17. Jahrhundert, als zum Beispiel 1663 die Seidenweber von Spitalfields die neuen Maschinen zerstörten. Symptomatisch sind Maschinensturm und Fabrikenprotest aber für die Frühindustrialisierung und ihren strukturellen und sozialen Wandel.

Warum kein Streik?

In dieser Zeit kam es noch nicht zu Streiks, denn die Heimgewerbetreibende waren nicht in Gewerkschaften oder Zünften organisiert. Außerdem waren selbst die Organisiationen der zünftigen Handwerkern noch nicht stark genug. So blieben den Arbeitern nur Petitionen an die Obrigkeit und Verhandlungen mit den Arbeitgebern als friedliche Mittel. Oft wurden ihnen diese Möglichkeiten weiter eingeschränkt.

Zum Maschinensturm, also den Arbeitsprotesten, kamen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert die so genannten Subsistenzproteste. Es ging um die bloße Existenz der Bevölkerung, die angesichts der schwierigen Situation oft die Häuser und Luxusobjekte der Fabrikanten oder die Waren, mit denen Wucher getrieben wurde, zerstörte. Damit sollte die neue Ordnung, die als Unrecht empfunden wurde, verhindert werden.

"Moral economy"

Damals galt noch die Vorstellung von der "moral economy": Danach hatte sich der König, der Burgherr, der Staat oder auch der Manufakturbesitzer nicht profitmehrend und gegen die Interessen der einfachen Menschen zu verhalten, sondern von ihnen wurde erwartet, dass sie sich paternalistisch-fürsorglich um ihre Untergebenen kümmern, dass sie wirtschaftliche Gerechtigkeit walten lassen. Auch Nahrung sollte zu einem gerechten Preis zu haben sein. Diese Auffassung übertrug sich in der Industrialisierung auf den Fabrikantherren. Bei den Maschinenstürmen handelte es sich daher, wie es Rolf Peter Sieferle schrieb, um "einen Kampf zwischen traditionellem Paternalismus und marktwirtschaftlichen Fabrikensystem. Der historische Konflikt zwischen zwei gesellschaftlichen Ordnungen wird im Maschinensturm wie in einem Brennglas vergrößert und überdeutlich sichtbar."

Maschinensturm war kein blinder Protest unzufriedener Arbeiter, die generell maschinenfeindlich waren. Sie waren aber auch weniger politisch motiviert, sondern meinten ihre Aktionen als Kritik an den sich verändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen. Trotz ihres Scheiterns stellen sie die Vorläufer einer modernen Arbeiterschaft und Gewerkschaftsbewegung dar.

Dieses Referat habe ich im Wintersemester 1993/94 zusammen mit Jan Schumacher an der Universität Hamburg gehalten. (bik)

 

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Englische Ludditen

Deutsche Maschinenstürmer

Analyse

Definition und Name

Soziale Situation

1811/1812 in Nottingham

1812 in Yorkshire

1812 in Lancashire und Cheshire

1821 in Eupen, 1830 in Aachen

1840 in Iserlohn, 1844 in Böhmen

1844 in Schlesien

 

 

Reaktionen der Autoritäten

Erfolg oder Niederlage?

Politisch oder nicht?

Literatur und Links

 

 

Erstellt am 09.01.2001

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