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Bordüre

P olitisch oder nicht?

Ob die Maschinenstürmer politisch bewusst handelten oder nicht, ist umstritten. Einige sehen in ihnen die ersten Gewerkschaftsvorläufer, andere nur kriminelle Handwerker, die sich gegen die Moderne sträubten. Es wird auch hervorgehoben, dass der Maschinensturm und der Fabrikenprotest oft die einzige Protestform war, die ihnen offenstand.


Zahnrad

Haben die Maschinenstürmer und Ludditen aus politischen Gründen gehandelt, oder waren es spontane Aktionen ohne tiefere Motive? Darüber streiten sich die Historiker:

Wolfgang Büttner als kommunistisch-sozialistischer Geschichtsschreiber sah in den Weberaufständen in Schlesien den Beginn des deutschen Proletarierbewusstseins und damit den Ausgangspunkt der Arbeiterbewegung. Arno Herzig beurteilt die schlesischen Ereignisse weniger einzigartig, er erkennt bereits in früheren Maschinenstürmen und Fabrikenprotesten eine der Wurzeln der Arbeiterbewegung. Bernt Engelmann sieht, anders als Büttner, in der Weberrevolte keinen "Vorboten der Revolution von 1848".

Rein industrielle Ziele?

Den Ludditen dagegen wird von Edward P. Thompson bewusster politischer Protest gegen das merkantilistische laissez-faire-Prinzip der britischen Regierung bescheinigt. Gemäß dieser Argumentation wären auch die deutschen Maschinenstürme und Fabrikenproteste politisch motiviert. Im Gegensatz zu Thompson spricht die liberale Geschichtsschreibung den Maschinenstürmern jegliche politische Ziele ab und betont damit den rein industriellen Aspekt.

Auch in anderen Aspekten gibt es unterschiedliche Meinungen in der Wissenschaft. Die konservativ-bürgerliche Geschichtsschreibung wertet die Maschinenstürme in England als einen blinden spontanen Versuch, der Industrialisierung Einhalt zu gebieten. Angesichts der Entwicklung der Geschichte erscheint dieses Verhalten sinnlos. Eric Hobsbawm dagegen betont, dass Maschinensturm im allgemeinen trotz relativer Erfolglosigkeit oft die einzig adäquate Protestform darstellte. (bik)

 

weiter zur Literatur über Maschinensturm, Luddismus und sozialen Protest

 

Erstellt am 11.01.2001

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