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N ationalversammlungswahlen und Finanzmisere - der Anfang vom Ende

Über die Frage, ob sich Bremen an den Wahlen zur Nationalversammlung beteiligen sollte oder nicht, waren sich die Räte uneins. Als sich die Mehrheitssozialdemokraten durchsetzten, schieden die Kommunisten aus der Bremer Räteregierung aus, die USPD regierte allein im Rat der Volksbeauftragten. Doch die finanzielle Misere wurde immer größer, die Banken stellten Bedingungen für weitere Kredite: Eine neue Volksvertretung sollte eine neue Verfassung schaffen - eine politische Bankrotterklärung der Räterepublik. Gleichzeitig drohte die Reichsregierung einzuschreiten. Das Ende war nahe.


Die neue Räteregierung in Bremen war uneins über die Wahlen zur Nationalversammlung. Einige bezeichneten die Nationalversammlung als "Todfeind der Räterepublik". Andere erkannten, dass es in der Arbeiterschaft demokratische Traditionen gab und dass Bremen im Reich isoliert war. Dadurch waren Repressalien von außen möglich. Am 13. Januar wurde im Arbeiter- und Soldatenrat darüber abgestimmt, ob die Wahlen in Bremen zugelassen werden sollten. Obwohl die Kommunisten dagegen stimmten, wurden die Wahlen mit 101 zu 88 Stimmen zugelassen und unter den Schutz der Räterepublik gestellt.

Kommunisten boykottierten die Wahlen

Das Ergebnis der Nationalversammlungswahlen am 19. Januar zeigt deutlich die Stimmung in der Bevölkerung neun Tage nach Proklamation der Räterepublik: MSPD gewann 41,5%, die USPD 18,7% und die DDP 34,2%. Die Wahlbeteiligung lag bei 84,1%, die Kommunisten boykottierten offiziell die Wahlen. Es war also ein sozialistischer Sieg. Allerdings sprachen sich nur die USPD-Wähler gleichzeitig klar für die Räterepublik aus, die anderen wollten eine Sozialdemokratie. Die Kommunisten schieden nach dieser Niederlage aus dem Rat der Volksbeauftragten aus und überließen der USPD die alleinige Last der Regierung.

Diese Last wurde in der kommenden Zeit immer schwerer: Die Banken stoppten die Kredite für die hochverschuldete Stadt und verlangten sogar Rückzahlungen, da sie der neuen Regierung kein Vertrauen schenkten. Die Räteregierung konnte ihre finanziellen Aufgaben nicht länger erfüllen und beugte sich dem Druck der Banken: Als Bedingung für neue Kredite forderten sie, dass die Reichsgesetze respektiert und eine neue Volksvertretung gewählt werden. Dies war nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine politische Bankrott-Erklärung des Rätesystems in Bremen.

Selbstliquidierung wurde eingeleitet

Die Wahl zur Volksvertretung wurde für den 2. März 1919 angesetzt. 200 Abgeordnete sollten eine neue Verfassung ausgestalten, eine Gesetzgebung und die Exekutive berufen. Damit war im Prinzip die Selbstliquidierung der Räterepublik eingeleitet - durch die allgemeine finanzielle und wirtschaftliche Misere, die Unfähigkeit der Bremer Revolutionäre im Verwaltungs- und Wirtschaftsbereich und die Isolation Bremens, nachdem bis zum 11. Januar fast alle norddeutschen Räterepubliken (außer Cuxhaven, Vegesack und Blumenthal) entweder militärisch niedergeschlagen oder innerlich zugrunde gegangen waren.

Reichsregierung wollte Exempel statuieren

Das endgültige Ende jedoch kam zuvor durch die Reichsregierung. Nachdem die Macht nach dem Spartakus-Aufstand in Berlin wieder hergestellt war, war es oberstes Ziel der Innenpolitik Berlins, die Bremer Republik niederzuwerfen. Sie wollte ein Exempel statuieren. Außerdem hatten einige Bremer Bürger, Offiziere und auch einige MSPD-Mitglieder Berlin um Reichshilfe gebeten. Offizielles Argument war jedoch, der Amerika-Handel über Bremen sei durch die Umtriebe dort gefährdet.

Um Schlimmeres zu verhindern, trat der Rat der Volksbeauftragten zurück. Und Bremen versprach, die Arbeitertruppen zu entwaffnen. Trotzdem blieb die Reichsregierung hart. Den Reichstruppen wurde ein Eingreifen noch erleichtert durch nicht gelöste Sicherheitsprobleme in der Räterepublik und die chaotischen und uneinigen Zustände in allen Lagern. (bik)

 

weiter zur militärischen Intervention der Reichstruppen

 

Erstellt am 17.01.2001

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