Zusammenfassung | Situation | Anfänge | Rätebildung | Zusammenarbeit | interne Probleme | externe Probleme | Neuwahl des Arbeiterrats | Proklamation der Räterepublik | Putschgefahren | Wahl zur Nationalversammlung | Intervention und Ende | Zeittafel

Bordüre

P utschgefahren in der Bremer Räterepublik

Sowohl in Kreisen unzufriedener Soldaten als auch von linken Arbeitern drohte der Räterepublik Gefahr. Zwei Putschversuche scheiterten, aber destabiliserten die Regierung.


Weite Kreise der Garnison waren entwaffnet worden. Dadurch waren aber viele Soldaten auch im Soldatenrat unzufrieden. Die Spannungen zwischen Regierung und Garnison äußerten sich auch in der Forderung der Kommunisten, die Garnison vollkommen aufzulösen. Als Reaktion hierauf nahmen einige Matrosen am 14. Januar den unbeliebten kommunistischen Stadtkommandanten fest. Die Kommunisten aktivierten die Roten Garden, und nach einigen Kämpfen kam es zu Verhandlungen, in denen der Rat der Volksbeauftragten vermittelte. In der Folge wurden die Marinesoldaten teilweise entwaffnet und die Waffen gemeinschaftlich von Soldaten und Arbeitern verwaltet. Der Stadtkommandant wurde abgesetzt.

Dieser Putsch war nicht gegen die Räteregierung als Ganzes gerichtet. Es waren nur einzelne kommunistische Mitglieder im Soldatenrat gemeint, die die Garnison hatten völlig entwaffnen wollen. Insofern kann man hier von einem "unpolitischen" Putsch sprechen. Im verhängten Belagerungszustand wurde das Waffenproblem durch einen Kompromiss gelöst: Paritätisch besetzte Wachen wurden aufgestellt, die Waffenkammern gemeinsam verwaltet und die Arbeiterbataillone überprüft.

Putschversuch auch von links

Doch diese Lösung zog kurz darauf einen weiteren Putsch-Versuch nach sich: Links-aktivistische Kreise der KPD trieben Arbeiter zu einem Aufstand, um gegen den Kompromiss der KPD zu protestieren. Dieser Versuch währte zwar nur kurz und war letztlich erfolglos, zeigte aber, wie unfähig die Parteien waren, ihre eigenen Mitglieder zu disziplinieren. Und es verdeutlichte die Gefahr, die durch die bewaffnete Arbeiterschaft entstehen konnte.

Beide Putsche bewiesen, dass die Macht der revolutionären Regierung vollkommen von der Befehls- und Waffengewalt abhing. Die USPD mahnte währenddessen zu Besonnenheit: Die Putsche destabilisierten nur die innere Situation und gäben der Reichsregierung einen Anlass, militärisch einzuschreiten. (bik)

 

weiter zur Nationalversammlungswahl und zur Finanzmisere

 

Erstellt am 17.01.2001

Hier geht's zurück nach Hause