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Bordüre

K eine Räterevolution in Wien

In der unruhigen Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bildete sich in Wien keine Räterepublik. Die Arbeiter- und Soldatenräte waren sozialdemokratisch dominiert, und die SDAP lehnte revolutionäre Umwälzungen ab - sie wollten es auf dem demokratischen Weg versuchen.


Als sich zwischen November 1918 und April 1919 in Bayern, Ungarn und einigen deutschen Städten Räterepubliken bildeten, befürchteten die bürgerlichen Kreise Österreichs Ähnliches für Wien. Die am 15. März 1919 von der Nationalversammlung gewählte Koalitionsregierung von SDAP und Christlichsozialen war nämlich noch kaum Herr im eigenen Haus. Die Arbeiter- und Soldatenräte und die kommunistischen Roten Garden versuchten immer wieder, mit Anschlägen und putschartigen Aufständen die Macht an sich zu bringen. Doch die Wiener Arbeiter- und Soldatenräte waren sozialdemokratisch dominiert. Dadurch kam es in Wien nicht zu einer Räterevolution.

Die Arbeiter- und Soldatenräte entwickelten sich stattdessen weiter zur Arbeiterwehr (1922), die ein Jahr später zum Republikanischen Schutzbund umgestaltet wurde. Diese bewaffnete Unterorganisation der SDAP wurde als außerparlamentarisches Druckmittel eingesetzt, um die junge Demokratie gegen Angriffe von rechts zu schützen.

Demokratischer Weg zum Sozialismus

In den unruhigen Zeiten 1918/19 hätten die österreichischen Sozialdemokraten revolutionäre Umwälzungen durchführen können, zum Beispiel die Sozialisierung der Wiener Schlüsselindustrien. Doch die SDAP lehnte eine Revolution ab. Sie befürchtete den Einmarsch der Siegermächte und Hungerkatastrophen bei einem Sieg der Kommunisten. Stattdessen wollte die SDAP "auf dem demokratischen Weg zum Sozialismus", indem sie ihre Machtpositionen innerhalb des bürgerlich-parlamentarischen Staates ausbauten - gemäß der Theorie des Austromarxismus (bik).

 

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Erstellt am 10.08.2000

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