Bordüre

B remer Räterepublik 1918/19

In den Wirren der ersten Jahre der Weimarer Republik hat es auch in Bremen den Versuch gegegeben, eine Räterepublik zu etablieren. Sie hat sich nur wenige Wochen halten können. Sie scheiterte an inneren Widersprüchen und Problemen, aber letztlich auch durch die blutige Intervention von Freikorps-Truppen.


In der Geschichtsschreibung der revolutions- und krisenreichen ersten Jahre der Weimarer Republik fällt oft das Stichwort des Rätesystems, das in verschiedenen Städten und Ländern nach der Novemberrevolution in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollte. Berühmtestes Beispiel ist die Münchener Räterepublik. Allerdings kam es in vielen deutschen Städten Revolutionen mit Versuchen, Räterepubliken zu etablieren. Zum Beispiel auch in Bremen, die insgesamt, mit "Vorspiel", vom 6. November 1918 bis zum 4. Februar 1919 existierte (Zeittafel).

Unnötige Intervention

Angespornt von Kieler Matrosen, wurde in der Hansestadt innerhalb von wenigen Tagen ein 230-köpfiger Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Bis zur Proklamation der Räterepublik dauerte es immerhin zwei Monate. Die Hauptprobleme der Räteregierung konnten die Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten in dieser Zeit nicht lösen: Interne Partei-Querelen um die Macht, die kontrarevolutionäre Gefahr aus dem bürgerlichen Lager und die akute finanzielle Misere der Hansestadt. Beendet wurde die Räterepublik dann jedoch durch eine blutige militärische Intervention, die - Ironie der Geschichte - eigentlich unnötig gewesen wäre, da die Räte sich auf dem diplomatischen Weg bereits ergeben hatten.

Nach der Niederschlagung durch Freikorps-Truppen wurde eine provisorische Regierung eingesetzt, die faktisch eine vom Reichsmilitär unterstützte zivile Diktatur war. Als am 9. März 1919 die erste Konstituantenwahl nach der Räterepublik abgehalten wurde, erhielt die MSPD, die sich an den Räten wenig beteiligt hatte, mit 61 Mandaten nur eine wenig besseres Ergebnis als die 51 gemeinsamen Mandate von USPD und Kommunisten erzielte.

Nicht zurück zum Status quo

Als am 10. April eine konstituierende Regierung aus einer Koalition von MSPD und bürgerlichen Parteien gebildet wurde, konnten sie sich dennoch nicht erlauben, einige von den Räten erlassene soziale Verbesserungen (die Steigerung der Erwerbslosenfürsorge und die Arbeitszeitverkürzung) zurückzunehmen - sie mussten eine erneute Revolte der Bevölkerung befürchten.


Da es hierzu nur wenig ausführliche Literatur gibt, beziehe ich mich hauptsächlich auf das Werk von Peter Kukuck "Bremen in der Deutschen Revolution 1918-1919 Revolution - Räterepublik - Restauration" (Bremen 1986). Daneben bietet auch Herbert Schwarzwälder in seiner "Geschichte der Freien Hansestadt Bremen" (Hamburg 1983) ergänzende Informationen. (bik)

 

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Erstellt am 17.01.2001

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