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E migration russischer Juden im 19.Jahrhundert

Osteuropäische, vor allem russische Juden nahmen die gespannte antisemitische Stimmung im 19. Jahrhundert zum Anlass, nach Amerika auszuwandern. Unterwegs durchquerten sie die deutschen Länder. Doch hier war man ihnen auch nicht unbedingt freundlich gesinnt: In einer Mischung aus Geschäftemacherei, Vorurteilen und Angst vor Krankheiten wurden den Durchwanderern viele Steine in den Weg gelegt.


russischer Jude

Juden im russischen Zarenreich wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verfolgt. Ab 1881 verschärfte sich die Situation für die fast fünf Millionen Juden, die in so genannten Ansiedlungsrayons eingepfercht lebten. Einschränkungen, Pogrome und Verarmung führten dazu, dass immer mehr Juden versuchten, nach Amerika auszuwandern. Ihr Reiseweg führte sie durch Preußen nach Hamburg oder Bremen, den größten europäischen Auswanderungshäfen. Eine von 45.000 rusischen Juden, die allein in den Jahren 1891 bis 1895 auswanderte, war Mary Antin, die ihre Erinnerungen an die Emigration aufschrieb.

Mary Antin beschreibt in ihrem Buch "From Plotztk zu Boston" sowohl ihr altes Leben im weißrussichen Schtetl als auch die beschwerliche Reise über Hamburg nach Boston und schließlich ihre erste Zeit im "gelobten Land". Ihre Autobiografie ist in gewisser Weise repräsentativ für die Mehrzahl der 1894 auswandernden russischen Juden.

Schlechte Reisebedingungen

Besonders deutlich schildert die damals 13-Jährige die verschiedenen Stationen auf der Fahrt von der russisch-preußische Grenze bis zur Abfahrt des Schiffes in Hamburg. Die Reisebedingungen für osteuropäische Emigranten Ende des 19. Jahrhunderts waren denkbar schlecht: überfüllte Waggons, rüde Behandlung und Schikanen an den Grenzübergängen.

Hinzu kamen verschärfte Gesundheitskontrollen, nachdem 1892 in Hamburg die Cholera ausgebrochen war und die Schuld daran den osteuropäischen Auswanderern zugeschoben wurde. Immer wieder, unter anderem in Ruhleben bei Berlin, wurden die Emigranten von Ärzten auf ansteckende Krankheiten untersucht, ihre Körper, Kleidung und Gepäck desinfiziert. Dabei ging es neben der Vermeidung einer Ansteckung in deutschen Städten auch darum, dass nur gesunde Menschen in die USA einreisen durften: Wer abgewiesen wurde, musste auf Kosten der deutschen Schifffahrtsgesellschaften zurückgebracht werden. Außerdem fürchteten die Unternehmer, dass das lukrative Geschäft mit den Auswanderern bei negativen Schlagzeilen gestoppt werden würde.

Auswandererbaracken

In Hamburg wurden die Durchwanderer nach 1892 in den Auswandererbaracken bis zur Abfahrt ihres Schiffes in Zwangsquarantäne gehalten. Diese Hallen waren teilweise überfüllt, den Emigranten war nicht klar, warum und wie lange sie dort untergebracht waren. Diese Unsicherheit schilderte Mary Antin deutlich. Doch schließlich ging es nach Amerika - ins "Land der Verheißung".

Durch eine Besserung der politischen Lage der Juden in Russland wurden die Spitzenzahlen der Jahre 1881-1892 später nicht mehr erreicht. Insgesamt wanderten von 1870 bis 1914 über zwei Millionen Juden in die USA aus, 60 Prozent von ihnen kamen aus dem Zarenreich. (bik)

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Erstellt am 01.05.2001

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