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Bordüre

D ie schlesischen Weber

Am bekanntesten wurden die schlesischen Weber, die 1844 zum Maschinensturm griffen, um sich gegen ihre desolate Situation zu wehren. Einige Fabrikanten konnten die wütende Menge durch Zugeständnisse und Schnaps beruhigen. Doch durch ein Missverständnis kam es auch dort zu blutigen Krawallen. Neben der allgemeinen schwierigen wirtschaftlichen Lage litten die Weber unter krassen sozialen Unterschieden. Dieser Umstand wird in ihrem Lied "Das Blutgericht" deutlich.


Fabrik

Eine Missernte führte in Schlesien zu einer Teuerung der Lebensmittel. Hier hatte man in den Jahren vor 1844 weitestgehend auf technische Innovationen verzichtet. Die schlesische Textilindustrie wurde immer noch vor allem von im Verlag arbeitenden Heimgewerbetreibenden getragen. Als Reaktion auf eine allgemeine Absatzkrise und die starke und hochtechnisierte englische Konkurrenz wurde hier die Löhne gemindert, um wieder wettbewerbsfähig zu sein. Dies ging jedoch auch auf Kosten der Heimarbeiter. Zudem litten sie unter einem doppeltem Joch: Neben der Arbeit für den Verlagskaufmann waren sie zu feudalen Abgaben an den Landesfürsten verpflichtet.

Zerstörung von Kaufmannsbüchern und Schuldscheinen

Weil die desolate Situation schon länger währte, versuchte eine kleine Gruppe von Webern mit dem Fabrikanten Zwanziger in Langenbielau über eine Lohnerhöhung zu verhandeln. Der empfing die Weber allerdings mit Steinwürfen und verschärfte damit den Konflikt. Die Protestierenden drangen hierauf in sein Haus ein und zerstörten es, während Zwanziger mit seiner Familie flüchten konnte. Auch am nächsten Tag wurde die Zerstörung von Webern aus Peterswaldau, die für Zwanziger arbeiteten, fortgesetzt. Hierbei wurden auch Kaufmannsbücher, Rechnungen und Schuldscheine vernichtet.

Sturm gegen die Objekte demonstrativen Reichtums

Die Protestierenden konzentrierten sich vor allem darauf, die Objekte demonstrativen Reichtums zu zerstören. Dabei bereicherten sie sich selbst nur selten. Die Weber verzichteten darauf, das Anwesen Zwanzigers in Brand zu setzen - der Fabrikant war gegen Feuer versichert, damit hätten sie ihm nicht schaden können. Doch der Unmut schlug über auf andere, in den Augen der Weber ebenso ungerechten Fabrikanten, deren Häuser zerstört wurden. Wieder andere wiederum, die gerecht waren, wurden verschont. Dem Fabrikanten Wagenknecht, der den Webern in der prekären Situation sowohl einige Silbergroschen wie auch einen Schnaps ausgab, sprachen die Weber ein Vivat aus.

Als jedoch auch der Fabrikant Dierig versucht, die Lage durch die Auszahlung einiger Silbergroschen zu entschärfen, eskalierte die Situation: Durch das unkluge Verhalten des eintreffenden Militärs brach unter den Webern Panik aus. Nach den Kämpfen mit den Soldaten konnte das Militär zwar in die Flucht gejagt werden, doch viele Weber starben oder wurden verletzt. Zur Strafe zerstörten die Handwerker schließlich doch noch die Maschinen der Dierigschen Fabrik.

"Blutgericht" solidarisierte die Weber

Unter den schlesischen Webern herrschte ein besonders großer Zusammenhalt. Hier spielte das "Blutgericht", das schlesische Weberlied, eine integrative Rolle: Weil das Lied die eigene Lage problematisierte, erleichterte es eine Solidarisierung der Weber und fiel als "Zündstoff in die gärenden Gemüter".

Das Verhalten der schlesischen Fabrikanten deckte sich schon lange nicht mehr mit dem Verständnis einer "moral economy". Im überlieferten Weberlied wird der krasse soziale Gegensatz verdeutlicht: Einerseits der demonstrative Reichtum der Fabrikanten, andererseits das Leben der Heimgewerbetreibenden am Rande des Existensminimums. Es wird klar, dass eine Eskalation der Situation kaum mehr vermeidbar war. Hier forderten die Weber nicht, wie in anderen Unruhegegenden, dass der vorherige Status quo wieder eingeführt wird, sondern dass die Lage allgemein verbessert wird. Als jedoch klar wurde, dass der Fabrikant Zwanziger nicht einsichtig war, kam es zum offenen Konflikt. (bik)

 

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Erstellt am 10.01.2001

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