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Bordüre

S purensuche

Die Bremer Swinkids waren das Thema meiner Magisterarbeit. Die Spurensuche gestaltete sich jedoch schwierig, denn es gibt kaum Akten über ihr Vorkommen. Über Interviews mit Zeitzeugen konnte ich dennoch einen Einblick in den Alltag dím Dritten reich erhalten.


Als ich 1992 mein Geschichtsstudium in Hamburg begann, stolperte ich gleich zu Anfang über ein Buch mit dem Titel "Swing Heil! Jazz im Nationalsozialismus" von Bernd Polster. Ich mochte von Kindheit an Jazz. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass die Nationalsozialisten mein Urteil über die manchmal doch etwas schräge Musik teilten. Natürlich mochten sie die sogenannte "Niggermusik" nicht. Aber was mich wirklich erstaunte, war, dass es auch im Dritten Reich Jugendliche gab, die jenseits von Hitler-Jugend und militärischem Drill diese lebenslustige Musik zu einem zentralen Teil ihres Lebens machten - trotz oder gerade wegen ihrer "staatsfeindlichen und wehrkraftzersetzenden Tendenzen".

"Sie wollten nur ihren Spaß haben"

Zu entdecken, dass es zwischen Hitler-Jugend und Weißer Rose auch "ganz normale" Jugendliche gab, die, genau wie die Jugend heute, keine Lust auf Uniform und Militär hatten, die aber gar nicht unbedingt weiter dachten, die "nur" ihren "Spaß haben" wollten - das zu entdecken war für mich am Anfang meines Studiums der Antrieb, in dieser Richtung weiter zu forschen. Ich wurde fasziniert von dem bunten Treiben der Swing-Jugend im Berlin und Hamburg der dreißiger und vierziger Jahre. Und ich fand bald heraus, dass die Hamburger Szene in den letzten Jahren in etlichen Autobiographien und wissenschaftliche Bücher gut dargestellt worden war.

Als ich 1994 an die Bremer Universität wechselte, versuchte ich hier Ähnliches zu entdecken. Schließlich war auch Bremen eine Weltstadt mit dem typischen hanseatischen Dünkel, der in der Hamburger Swing-Jugend wahre Blüten getrieben hatte. Außerdem war Bremen alles andere als eine Hochburg der Nationalsozialisten gewesen. Doch in der Standardliteratur über die Bremer Geschichte fand ich nichts über Swing-Jugendliche oder ähnliches. Schließlich stieß ich auf die Arbeit des Bremer Journalisten Jörg Senkpeil. Anfang der neunziger Jahre hatte er für Radio Bremen einige Feature über die Bremer Swing-Jugendlichen gemacht hatte.

Nur wenige Akten im Archiv

Mit seiner Hilfe begann ich die Spurensuche nach Zeitzeugen, denn diese Geschichte lebt nur durch die Erinnerungen der Überlebenden. Im Bremer Staatsarchiv gab es nur sehr wenige Akten, die sich mit dem Phänomen Swing-Jugend oder Swing-Musik befassten. Das sollte aber nicht heißen, dass es so etwas in Bremen nicht gegeben hätte.

Über Kontakte zur Bremer Jazz-Szene und angeregt durch einen Artikel im Weser Kurier im Sommer 1997 über meine Magister-Arbeit meldeten sich über dreißig Männer und Frauen, die mir ihre Erinnerungen an ihre Jugendzeit in Bremen im Dritten Reich schilderten. Ergänzt durch Zeitungsnotizen aus den Bremer Nachrichten zwischen 1933 und 1945, hatte ich schließlich genug Material gesammelt, um mir ein Bild machen zu können, wie es denn damals hier in Bremen ausgesehen hat - wo man hinging, um sich zu amüsieren, und was den Jugendlichen so alles einfiel, um ihre geliebte Musik zu hören und nach ihr zu tanzen. (bik)

 

Erstellt am 04.08.2000

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