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Bordüre

D ie Geschichte vom scharzen Buben

Drei Jungen, die einen Schwarzen auslachen, werden bestraft. Dennoch ist dies keine Geschichte der Toleranz.


Auf den ersten Blick erscheint diese Geschichte erstaunlich liberal im Vergleich zu den anderen Geschichten im "Struwwelpeter". Drei Jungen lachen einen Schwarzen aus und werden dafür bestraft.

Genau betrachtet steckt allerdings nichts weiter als die bürgerliche Moral des letzten Jahrhunderts dahinter: Der kleine Mohr kann ja nichts dafür, dass er schwarz und damit anders als die anderen Kinder, anders auch als die kleinen Leser des Buches.

Schwarz-Sein als Strafe

Dass Schwarz-Sein eine Strafe ist, zeigt sich auch in der Art der Bestrafung für die gehässigen Jungen: Ein überdimensionaler Nikolaus steckt die kleinen Hänsler in ein schwarzes Tintenfass. Zur Strafe sind sie hinterher noch schwärzer als der Mohr.

Merkwürdig ist, dass die Jungen für ein Verhalten bestraft werden, das Hoffmann gerade bei der ersten Geschichte vom "Struwwelpeter" als vorbildlich propagiert hat: nämlich anders aussehende Menschen auslachen. Wer genau hinschaut, sieht, dass die Jungen bei der Bestrafung wie erstarrt sind in ihrer Fröhlichkeit, sie wirken wie Puppen, das nimmt dem Strafakt die Bedrohlichkeit einer realistischen Darstellung. Die gesamte Geschichte wirkt eher surreal-lächerlich als eindringlich-warnend, und so ist auch mehr als fraglich, ob Hoffmann wirklich Toleranz üben wollte... (bik)


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Erstellt am 07.11.2001

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