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Bordüre

D ie Geschichte vom wilden Jäger

Dies ist keine Geschichte aus der kindlichen Welt, sondern aus der "verkehrten Welt" der Volksgeschichten. Allerdings wird auch hier die scheinbare Moral, nämlich der Sieg des Schwächeren, auf den Kopf gestellt.


Die Geschichte vom Jäger, der vom Hasen überrumpelt wird, fällt am meisten aus dem Zusammenhang des Buches heraus: Bereits der Mohr der vorherigen Geschichte kam tatsächlich in der Umgebung des bürgerlichen Kindes um 1845 wahrscheinlich nicht vor. Diese Geschichte spielt nun gar nicht im kindlichen Milieu. Es ist keine Geschichte über ein unartiges Kind, sondern über eine "verkehrte Welt", ein sehr beliebtes Motiv im Volksgut. Hier wird die Autorität, der Jäger scheinbar straflos verhöhnt und sogar besiegt, der Schwächere, der Hase triumphiert.

Ein wenig klingt hier der "Anti-Struwwelpeter" von später an, obwohl einiges diese Wirkung gleich wieder zurücknehmen: Erstens ist der Jäger bebrillt, in der satirischen Literstur ein Zeichen für einen pedantischen, ängstlichen Menschen, der Jäger ist also keine wirklich ernst zu nehmende Autoritätsfigur. Zweitens siegt der Schwache nur in der verkehrten Welt, im Umkehrschluss ist also der Sieg des Stärkeren normal. Und drittens ist der antiautoritäre Triumph nur eingeschränkt, schließlich kann sich der Jäger retten, und die Rebellion fällt auf den Schwächsten, das kleine Hasenkind, zurück. (bik)


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Erstellt am 07.11.2001

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