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Bordüre

W ie der "Struwwelpeter" entstand

Weil Hoffmann ein Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn brauchte und als Beruhigung für widerspenstige kleine Patienten, zeichnete er den "Struwwelpeter". Anfangs zierte er sich, sein Buch zu veröffentlichen, doch mit der ersten Auflage 1845 begann eine ungeahnte Erfolgsgeschichte.

Das Urheberrecht der von mir zur Illustration benutzten Zeichnungen und Fotos bleibt selbstverständlich bei den Rechteinhabern - für Details bitte die Literaturliste konsultieren!


Struwwelpeter

Zur Weihnachtszeit 1844 suchte der junge Arzt Heinrich Hoffmann ein Bilderbuch für seinen dreijährigen Sohn Carl-Philipp, fand aber nichts nach seinem Geschmack. Die damaligen Bilderbücher waren meist lebensechte Darstellungen von Gegenständen des täglichen Lebens oder sentimentale Märchen. Also brachte er schließlich nur ein leeres Heft mit nach Hause und beschloss, selber ein Bilderbuch herzustellen.

Zeichnung mit Zweck

Hoffmann hatte bereits früher gezeichnet und gedichtet, war aber nicht besonders ambitioniert. Er verwendete seine kleinen Zeichnungen hauptsächlich, um seine Freunde zu amüsieren oder um kleine Patienten zu beruhigen. Denn er wusste, dass die Kinder sich besonders vor dem Arzt fürchteten, weil mit diesem, ebenso wie mit dem Schornsteinfeger, immer wieder als Schreckgespenst gedroht wurde. Um dennoch bei den oft brüllenden und heulenden Patienten Fieber messen zu können, zückte er sein Notizbuch und zeichnete einen kleinen Jungen mit dem Bleistift, erzählte dazu die Geschichte von dem kleinen Schlingel, der sich nicht die Haare und Nägel schneiden lassen wollte. Und mit dieser kleinen Geschichte lenkte Hoffmann das kranke Kind soweit ab, dass er ihn in Ruhe behandeln konnte.

Hoffmann zierte sich

Heinrich Hoffmann hatte sich bereits 1843 als Autor versucht, als er eine Satire auf Hegels Naturphilosophie schrieb: "Die Mondzügler". Allerdings war dieses Buch ein Misserfolg und kostete Hoffmann 80 Gulden. Aus dieser Erfahrung lernend, wollte er das Bilderbuch für seinen Sohn auch nicht veröffentlichen. Aber seine Freunde in der Tutti-Frutti-Gesellschaft fanden Gefallen an dem Büchlein und ein Buchhändler wollte es spontan drucken. In Anbetracht seiner Schulden erklärte sich Hoffmann bereit, das Kinderbuch für den Betrag von 80 Gulden drucken zu lassen.

1845 erschien die erste nach der Urhandschrift lithographierte Ausgabe, deren Herstellung Hoffmann eigenhändig überwachte. Dieser Druck unterschied sich jedoch in Inhalt, Anordnung und Zeichnung noch von der heutigen Ausgabe. Der Titel lautete "Lustige Geschichten und drollige Bilder mit 15 schön kolorierten Tafeln für Kinder von 3 bis 6 Jahren." Hoffmann verbarg sich hinter dem Pseudonym "Reimerich Kinderlieb". Für den jungen Arzt war es vermutlich eine Frage des Ansehens, nicht als Autor eines Kinderbuches in die Öffentlichkeit zu treten. Erst ab der 5. Auflage 1847 war sein voller Name mit Doktortitel auf dem Umschlag zu lesen.

Großer Erfolg

Nach und nach kamen auch die Geschichten von Paulinchen, dem Zappelphilipp, Hanns Guck-in-die-Luft und dem fliegenden Robert hinzu. Der Struwwelpeter, der als Lückenbüßer die letzte Seite des Schreibheftes gefüllt hatte, rückte nach vorne und war fortan die Titelgestalt. So lag 1847 der "Struwwelpeter" vollständig in der heutigen Form vor.

Das Buch hatte sofort einen ungeheuren Erfolg. Die 1500 Exemplare der ersten Auflage waren in nur vier Wochen restlos ausverkauft. 1876 konnte bereits die 100. Auflage gefeiert werden, und zwei Jahre nach Hoffmanns Tod erschien die 200. Auflage. Bis zur 300. Auflage dauerte es nur noch zwölf Jahre. Das Jahr 1920/21 war ein besonders erfolgreiches für Hoffmanns Stammverlag Rütten & Loening: 1920 kam die 400. Auflage heraus, 1921 bereits die 502. Auflage! Bis 1939 erschienen etwa 5000 Auflagen, ab 1925 kamen noch zahlreiche unlizensierte Abdrucke des "Struwwelpeter" hinzu.

Übersetzungen

Sehr schnell wurde das Buch auch in andere Sprachen übersetzt. Bereits 1847 benutzte Hoffmann eine russische Version des "Struwwelpeter" für eine bildnerische Überarbeitung des deutschen Buches. Mittlerweile gibt es ihn in allen Sprachen der Welt, von Esperanto über Japanisch bis hin zum lateinischen "Petrulus Hirrutus", und neuerdings gibt es sogar den Struwwelpeter auf "Ruhrpottdeutsch".

1889 begann Heinrich Hoffmann mit der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen. Der "Struwwelpeter", sein erfolgreichstes Buch, nimmt darin nur etwa zehn Seiten ein - seine Tätigkeit als Arzt stand für ihn stets im Vordergrund. (bik)


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Erstellt am 31.10.2001

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