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D ie Nachahmer des Struwwelpeters

Es gab zahlreiche Versuche, den Erfolg und die Pädagogik des "Struwwelpeters" zu imitieren oder umzudrehen. Teils wurde die Prügelpädagogik verschärft, teils offen zum Konflikt mit den Autoritäten aufgerufen.

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Struwwelpeter

Bei dem großen Erfolg des Buches "Der Struwwelpeter" konnte es nicht ausbleiben, dass es schon sehr bald etliche Bücher auf dem Markt gab, die das Konzept nachahmten. Die meisten dieser Nachfolger machten allerdings mit den Schmutzfinken und Querulanten kurzen Prozess. und führen sie der menschlichen Gesellschaft mit Gewalt zu.

Bereits 1864 gab es das erste weibliche Gegenstück, 'Die Schreiliesel. Eine lustige und lehrreiche Geschichte für Kinder von +- 8 Jahren von Doktor Ernst'. Selbst der Doktor-Titel auf dem Titelblatt wurde imitiert, und die Geschichten wurden durch je ein koloriertes Bild geziert. Die Geschichte selbst, die erzählen, "Wie die Schreiliesel allein gehen will und fällt" oder "Wie das Schreiliesel seine Milch nicht trinken will" waren allerdings weitaus drastischer, als es Hoffmann je war: Da packt der Vater das Schreiliesel, das sich nicht waschen will, und taucht es in einen Holzzuber oder kehrt seine Spielsachen aus, wenn es sie nicht aufräumen will.

Prügelpädagogik

1870 erschien 'Die Struwwelliese', die es immerhin zu einigem Erfolg brachte: 1896 feierte sie die 40. Auflage und ist noch heute in den Buchläden zu finden. Die Geschichten von der mutwilligen Liesel, die ihre Puppe zerstört, von der naschhaften Liesel, die an Marmelade und Geburtstagskuchen nascht oder der schlafmützigen Liesel, die am Morgen nicht aus dem Bett kommt, stehen ganz im Zeichen einer drastischen Prügelpädagogik. Im Unterschied zu seinen Nachahmern hat Heinrich Hoffmann auf eine einseitige Betonung von Anpassung und Disziplinierung verzichtet. Die von ihm geschilderten Bestrafungen sind - abgesehen vom Daumenschneiden - lediglich Konsequenzen kindlichen Handelns als quasi Naturgesetzlichkeiten, die die Kinder vor realen Gefahren warnen sollten.

Natürlich gab es auch früh schon "Anti-Struwwelpeter", die sich gegen jegliche Art der Reglementierung jugendlicher Freigeister wehrten. Fritz Stern brachte 1914 'Der Struwwelpeter von heute, ein Bilderbuch für die Großen' heraus. Hier wird der Struwwelpeter als Symbol für den "natürlichen Menschen" der Jugendbewegung und Neuromantik entworfen. Das Symbol der gestutzten Welt, die Schere, ist zerbrochen, der Struwwelpeter ist der Freund der Tiere und freut sich "an der Gottesnatur".

Anti-autoritärer Struwwelpeter

1970 gab es einen erneuten Versuch, den Struwwelpeter von der verhassten Schwarzen Pädagogik zum antiautoritären Erziehungsmuster umzugestalten. Friedrich Karl Waechter drehte den Spieß mit seinem Anti-Struwwelpeter um: Die Eltern werden als repressive Erzieher gebrandmarkt, und die Kinder werden mehr oder weniger direkt zum Kampf gegen die Autoritäten aufgerufen, was denn auch scharfe Kritik hervorrief. Trotzdem war dieses Buch mehr etwas für anti-autoritär denkende Eltern als für ihre Kinder.

Bis in unsere Zeit hinein gab und gibt es aber immer wieder Nachahmer, die selbst den gleichen bürgerlichen Tugendkanon lehren wollen. Keines der Bücher der "Struwwelpetriaden" konnte allerdings mit dem Original mithalten.


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Erstellt am 07.11.2001

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