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S wingkids in Bremen

Swingkids in Bremen war das Thema meiner Magisterarbeit. Auf den folgenden Seiten möchte ich einige Ergebnisse, die ich hauptsächlich aus Interviews mit Zeitzeugen gewonnen haben, vorstellen: Wo trafen sich die Bremer Swingheinis, wie kleideten sie sich, was hörten sie und woher kamen ihre Platten, was sagten die Eltern und wie reagierte die Staatsmacht?

Gern teile ich auch meine Kenntnisse über die Bremer Swing-Jugend und den Jazz im Nationalsozialismus - wenn Sie mich zu einer Lesung einladen möchten, freue ich mich über Ihre Anfrage!


Jugend im Dritten Reich war bestimmt von Drill und Gleichschaltung. Allerdings war sie nicht so einheitlich, wie es sich die Nazis damals gewünscht hätten - und wie es noch heute in der Schule oft vermittelt wird. Zwischen Hitler-Jugend und Weißer Rose, zwischen Anpassung und Widerstand gab es auch "ganz normale" Jugendliche, die einfach nur ihren Spaß haben wollten. Dazu zählten auch die von den Nazis so genannten Swingheinis, die keine Lust hatten auf militärischen Drill und lieber zu heißen Jazztönen hotteten.

In Großstädten wie Hamburg oder Berlin gab es eine große Szene, aber auch in Bremen lebten Swingkids. Ähnlich wie ihre Altersgenossen in Hamburg fielen sie bereits durch ihr Aussehen auf: lange Haare statt Führerschnitt, edle Seidenhemden und Jacketts statt HJ-Uniform. Sie trafen sich in den Tanzsalons der Hansestadt oder auf privaten Tanztees, tauschten Platten und vergnügten sich, so lange es eben ging - denn der Krieg machte auch vor ihrer Fröhlichkeit keinen Halt.

 

Nazis verachteten "Gehotte" und "Gejaule"

Die Nazis hielten nicht viel von dem "Gehotte" und "Gejaule" des Jazz und Swing. Mit verschiedenen Maßnahmen und Verbotsversuchen bemühten sie sich dem wilden Treiben Einhalt zu gebieten - allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Ein Bremer Verbotsversuch des Gauhauptstellenleiters Weser-Ems zum Beispiel verlief im Sande.

Gehörten die Swingheinis bereits zum Widerstand? In der historischen und soziologischen Forschung wurde diese Frage lange diskutiert. Dafür spricht die zum Teil äußerste Härte, mit der gegen Swingkids zum Teil vorgegangen wurde. Die meisten ehemaligen Swingkids jedoch, nach ihren Motiven befragt, antworten heute: "Wir wollten doch nur unseren Spaß haben!" Beides muss kein Widerspruch sein - wer in einer straff durchorganisierten und politisierten Gesellschaft eine scheinbar unpolitische oder besser: im Grunde demokratische Lebenshaltung pflegt, die sich abkehrt vom Massenzwang, hin zum fröhlichen Individualismus, das allein kann schon Widerstand sein.

 

Interviews mit Bremer Swingkids

Die Bremer Swingkids sind Thema meiner Magisterarbeit, die ich im Juli 1997 in der Uni Bremen eingereicht habe. In Bremen war die Szene nicht sehr groß, dementsprechend schwierig gestaltete sich die Spurensuche. Ich habe mehr als 30 Bremer und Bremerinnen interviewt, die ihre Jugend in der Hansestadt im Dritten Reich verbracht haben. Akten, Zeitungsartikel und wissenschaftliche Literatur ergänzten haben das Material über das Phänomen Swingkids. (bik)

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Außerdem habe ich in der Zeitschrift "Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert" im Juli 2002 einen Artikel veröffentlicht (basierend auf meiner Magisterarbeit und einem Vortrag), der auch als PDF-Datei herunterzuladen ist.

 

Erstellt am 04.08.2000, zuletzt ergänzt am 03.02.2011

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