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Bordüre

R azzien in Bremer Tanzcafés

Eine Razzia in einem Bremer Tanzlokal file - Zufall oder nicht - auf den Tag, an dem eine bekannte Jazzband dort ihre Tour beginnen sollte. Diese Band hatte bereits in Hamburg unter den Swingheinis für Furore gesorgt. In Bremen verlief das Ganze harmlos - in Hamburg ging es für manche ins Konzentrationslager.


Über die Verfolgungen der Bremer Swingkids durch Polizei oder Gestapo gibt es keine Akten mehr - auch die Bremer Gestapo hat bei Kriegsende sorgfältig alles belastende Material verbrannt. Nur zwei Akten sind offenbar vergessen worden. Es geht hier um eine Razzia, die am Samstag, den 5. April 1941 vor und im Atlantic-Café stattfand. Die offizielle Begründung war, sie sollte "dem Schutze der Jugend und der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" dienen. Der Fall schlug Wellen, da bei dieser Gelegenheit auch unbescholtene junge Mädchen festgenommen wurden, die nur einen Kaffee trinken wollten.

In erster Linie ging es darum, gewisse "zweifelhafte Damen" aus dem Tanzlokal zu vertreiben. Doch auffallend ist, dass am selben Tag, dem 5. April 1941, das Gastspiel des Holländers John Kristel mit seinem Swing-Orchester im Atlantic-Café begann. Kristel hatte zwei Monate zuvor im Hamburger Alsterpavillon die Swing-Jugend derart in Stimmung gebracht, dass die Polizei das Lokal schloss. Ich vermute, dass die Bremer Polizei von diesen Vorkommnissen wusste und dass die Razzia im Atlantic zumindest auch als abschreckende Maßnahme für die Bremer swingbegeisterte Jugend gedacht war.

Härteres Vorgehen in Hamburg

In Hamburg dagegen sind eindeutige Akten und Aussagen überliefert, die den Kampf gegen die Swingkids dokumentieren: Bei einer Razzia auf einer Hamburger Party 1941 wurden fast 500 Jungen und Mädchen festgenommen. Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler schrieb im Januar 1942 an Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitsamtes:

    "Ich bin dagegen, dass wir hier nur halbe Maßnahmen treffen. Alle Rädelsführer sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen. Der Aufenthalt im Konzentrationslager muss ein längerer, 2-3 Jahre sein. Es muss klar sein, dass sie nie wieder studieren dürfen. Nur, wenn wir brutal durchgreifen, werden wir ein gefährliches Umsichgreifen dieser anglophilen Tendenzen vermeiden können."

Ab Juni 1942 wurden 40 bis 70 Hamburger Swing-Heinis in die Jugend-Konzentrationslager Moringen und Uckermarck eingewiesen - als politische Straftäter. Bis zum Kriegsende wurde keiner von ihnen entlassen. Die meisten warten noch heute auf Wiedergutmachung: Bis vor wenigen Jahren galt Moringen nicht als Konzentrationslager. (bik)

 

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Erstellt am 04.08.2000

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