Bordüre

D as Rote Wien (1918-1934)

In Wien kam es in der Zwischenkriegszeit zu einem austromarxistischem Experiment: Die Kommunalverwaltung versuchte über zahlreiche Reformen und Programme, die Lage der Arbeiter zu verbessern. Die Situation war schwierig, die Probleme fast aussichtslos, dennoch schafften die Austromarxisten Bedeutendes. Der Übermacht der Rechten 1934 mussten sie sich dennoch beugen.


Wien: Jahrhundertlang Residenzstadt der Donaumonarchie und im 19. Jahrhundert Symbol für die reaktionären Kräfte Europas. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt ein außerordentliches Zwischenspiel: Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs kam an die kommunale Macht in Wien. Damit konnte die SDAP die vor dem und während des Weltkrieges entwickelten Gesellschaftstheorien des Austromarxismus verwirklichen - der Versuch eines dritten Weges zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus.

Politisch und ökonomisch schwierige Situation

Die Wiener Austromarxisten übernahmen den Gemeinderat jedoch in einer politisch und ökonomisch äußerst schwierigen Nachkriegssituation. Wien, die vormals strahlende Hauptstadt der großen Donaumonarchie, war plötzlich der "Wasserkopf" eines "Rumpfstaates". Typischen Nachkriegsprobleme belasteten die Millionenstadt: Hunger, Krankheit, Inflation und Arbeitslosigkeit. Hinzu kam aufgrund der speziellen Situation Wiens eine extreme Wohnungsnot.

  Wahlplakat im Roten Wien

Die sozialdemokratischen Stadtherren entwickelten umfangreiche Fürsorgemaßnahmen und Programme zur Wohnraumbeschaffung. Finanziert wurde ihre Politik durch eine großangelegte Steuerreform. In Relation zur Kürze der ihr verbleibenden Zeit und zur Schärfe der Probleme waren die Austromarxisten in Wien ausgesprochen erfolgreich. Außerdem entwickelte sich die Arbeiterkultur von der unterdrückten Subkultur zur gesamtgesellschaftlich dominierenden, vom Gemeinderat unterstützten Kultur.

Intermezzo währte nur kurz

Doch das austromarxistische Intermezzo währte nur kurz. Als die reaktionären Kräfte in Österreich vor allem in Form von Austrofaschisten und Heimwehr, später auch der Nationalsozialisten, militanter gegen die Demokratie vorgingen, zeigten sich die Schwächen der Theorie: Die Partei zog sich immer mehr zurück, statt zu kämpfen, und die Arbeiterschaft verlor immer mehr Vertrauen zu ihrer Partei, und im entscheidenden Moment, in den Februarkämpfen 1934, konnten die rechten Kräfte die Partei und die Arbeiterbewegung in allen machtpolitischen Positionen ausschalten.

Neben den harten Angriffen der Austrofaschisten führten aber auch innere Schwächen, eigene Halbheiten und Fehler zum Scheitern des Roten Wien.

Wurzeln noch nicht tief genug

Auch der Austromarxismus konnte den reaktionär-faschistischen Kräfte seiner Ära nicht standhalten. Seine Wurzeln waren noch nicht tief genug in der Gesellschaft verwachsen. Doch er stellte immerhin einen Versuch dar, mehr Gerechtigkeit und eine bessere Lebensqualität für die Arbeiterschaft zu schaffen, ohne das Bürgertum völlig zu entrechten. Daher wurde und wird der Austromarxismus als mögliches Modell für einen europäischen Sozialismus diskutiert. Und das Rote Wien lebte auch nach 1934 fort, zum Beispiel in den neo-austromarxistischen Theorien, die einen dritten Weg zwischen Sozialdemokratie und Marxismus suchten, aber auch in vielen Politikern, die bereits in der ersten Republik aktiv waren und nach 1945 die zweite Republik sozialistisch prägten. Und nicht zuletzt lebt es fort in den Gebäuden in Wien, die in den 20er Jahren erbaut wurden, um die akute Wohnungsnot zu mildern, und zur Manifestation der Stärke der Arbeiterklasse.

Eine kleine Liste der umfangreichen Literatur zum Thema finden Sie hier.

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Wer mehr zum Austromarxismus und zum Roten Wien sucht, hier einige Links (Achtung: hier verlasst Ihr meine Homepage!):

Über den Austromarxismus: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.a/a964387.htm

Gut strukturierte Zusammenfassung: http://www.rotes-wien.at

Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Rote_Wien

Kurze Zusammenfassung und weiterführende Links: http://www.literaturepochen.at/exil/a5557.html

 

Erstellt am 10.08.2000, ergänzt am 21.5.2007

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