Pennälerfleiß und digitaler Handtaschenraub

Schweizer Schüler "verflashen" Mini-Geschichten von Michael Augustin

(erschienen im Onlinemagazin Bremer Zeitkultur, 01.08.2002)


Bremen/Basel. Das Leben ist eine wilde Folge von Ereignissen, von denen niemand sagen kann, wohin sie führen. Wie sonst kann es passieren, dass eine Gruppe Schweizer Schüler für ein Internetprojekt ausgerechnet die Mini-Dramen des Bremer Autoren Michael Augustin umsetzen und damit sogar Preise gewinnen?

Diese ungewöhnliche Kombination entstand,, weil vor etwa zehn Jahren ein Schweizer Lehrer beim Bügeln in seiner Baseler Küche gern Radio hörte. Eines Tages lauschte er, zwischen Oberhemd und Bundfaltenhose, einigen Dramoletten und Kürzestgeschichten eben des Bremer Schriftstellers Michael Augustin - und amüsierte sich königlich. Als dieser Lehrer, Christian Graf, zwei Jahre später plante, mit seinen Schülern Texte als Dia-Shows zum Leben zu erwecken, erinnerte er sich an die Augustin-Geschichten. Sechs kleine "Filme" entstanden, mit schönstem schwitzerdütschen Akzent gelesen und von den Schülern schauspielerisch umgesetzt.

Projekt der Minerva-Schule

Christian Graf unterrichtete übrigens nicht an irgendeiner Schule in Basel, sondern an der Minerva-Schule www.minerva-schulen.ch, eine alternative Schule, die viel Wert auf gewaltfreie und kreative Erziehung legt.

Und als noch ein paar Jahre später für Graf das digitale Zeitalter startete, begann er mit den Schülern, Computer-Animationen, interaktive Geschichten und Flash-Filme zu entwickeln - unter anderem auch die Kürzest-Geschichten und Dramoletten von Augustin aus der Dia-Show. Ein weiterer Zufall, wie ihn das Leben so gerne mag: Als Graf Augustin um die Autorenrechte bat, stellte sich heraus, dass beide zeitgleich in Andalusien Urlaub machten - man traf sich auf ein Glas Fino und verstand sich auf Anhieb.

Jeder nach seinen Stärken

Mittlerweile stehen sechs Michael-Augustin-Minidramen im Internet, vorgelesen vom Autoren selbst und visualisiert von Schülern der Minerva-Schule Basel. Dabei konnte jeder seine eigenen Stärken und Vorlieben einsetzen: Während die einen vor oder hinter der Digital-Kamera standen, schrieben andere das Drehbuch, kümmerten sich um die Organisation oder programmierten die einzelnen Sequenzen zu einem Flash-Film.

Ob nun die ernüchternde Geschichte vom Hund als "Medium" oder die köstlich-surreale Episode von Blunk, der alten Dame und dem Handtaschenraub, herausgekommen sind sechs Filme voller Humor, die wunderbar Technik und Poesie verbinden.

Preisverdächtig

Mittlerweile haben die Schüler auch schon einen Preis eingeheimst: die schweizerische Fachstelle für Informationstechnik im Bildungswesen hat das Werk als "Pionierarbeit" ausgezeichnet. Und auch der Autor ist begeistert von der "schier ungeheuren Arbeit", die darin stecken: "Es hat mich richtig gerührt, mit welcher Energie und Freude die Schüler sich in dieses Projekt gestürzt haben."

Mittlerweile haben die Schüler auch schon einen Preis eingeheimst: die schweizerische Fachstelle für Informationstechnik im Bildungswesen hat das Werk als "Pionierarbeit" ausgezeichnet. Und auch der Autor ist begeistert von der "schier ungeheuren Arbeit", die darin stecken: "Es hat mich richtig gerührt, mit welcher Energie und Freude die Schüler sich in dieses Projekt gestürzt haben." (bik)

Externer Link:

 

Hier geht's zurück zum Überblick Bremer Zeitkultur