Poster gegen Panzer

Eine jordanische Werbekampagne für Palästina im Internet

(erschienen im Onlinemagazin Bremer Zeitkultur, 01.09.2002)


Bremen. Werbetexter in aller Welt sind doch irgendwie gleich. Das, was sie meistens am besten können, ist: Werbetexte machen. Ob für Spülmittel oder Automobile, eigentlich ist das für die Kreativköpfe gleich. Aber die Werbetexter sind auch Menschen, und Menschen engagieren sich politisch.

Wie kann man beides vereinbaren, fragte sich eine Gruppe von Werbetextern und Medienleuten in Jordanien: Wie können wir für das palästinensische Volk Werbung machen?

Bedrückende Atmosphäre

Denn angesichts der schrecklichen Bilder aus palästinensischen Lagern und israelischen Städten, angesichts der Bomben, der Attacken, des Tötens und der Zerstörung von Häusern und Lebensgrundlagen fühlten sie sich hilflos. Dazu kam, wie sie selbst sagen, die bedrückende Atmosphäre auf der "Zuschauerseite": Schweigen, Gleichgültigkeit, Rassismus und eine massive Gehirnwäsche.

Und sie taten, was sie eben am besten können: Sie entwarfen eine Werbekampagne für Palästina. Dabei geht es ihnen weniger um eine politisch-fundierte Auseinandersetzung mit den hinlänglich bekannten Argumenten. Sie wollen zeigen, dass Palästinenser auch Menschen sind, dass ihre Kinder auch Träume und Hoffnungen haben. "We are not a statistic. We have faces. We have names. We have hopes. We have dreams. JUST LIKE YOU." Das ist ihre Message.

Weltweit verständlich

Und sie verwenden dafür Motive, die weltweit verstanden werden und ans Herz appellieren: Charly Chaplin neben dem kleinen Bassem, Mahatma Gandhi neben Ahmad, Mutter Theresa neben Sarah. Die Aussage: Genauso wie ihre großen Vorbilder sehnen sich diese palästinensischen Kinder nach Unbeschwertheit, nach Hoffnung, nach Frieden. Der (nicht unumstrittene) Name der Kampagne: "Dying To Live" - Sterben um zu Leben.

Auf den missverständlichen Titel angesprochen, begründeten die Macher ihre Wahl in einem Radio-Interview: "Wenn sich jemand etwas sehr stark wünscht, dann sagt er, er könne sterben für etwas. Ich könnte sterben für eine eiskalte Cola. Ich könnte sterben für ein bisschen Frieden. In diesem Sinne ist der Namen gemeint."

Kostenlose Downloads

Im Zeitalter des Internets verbreiten die jordanischen Mediengestalter ihre Kampagne virtuell, und zwar über eine schnell eingerichtete Homepage www.dying2live.com. Die Werbeplakate können dort kostenlos geladen werden.

Nach eigenen Angaben wurde die Aktion in Windeseile weltweit bekannt: Die Motive tauchten auf T-Shirts, Magazinen, Postern und Plakatwänden von Australien bis Jordanien auf, Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten Artikel über die Kampagne. Auf der Website selbst sind einige durchaus positive Emails zu lesen, die auf ein weltweites Interesse schließen lassen.

So sind die Macher der Kampagne fürs Erste zufrieden mit ihrem Erfolg. Sie hoffen, wenigstens ein Stück weit die öffentliche Meinung für die menschliche Seite dieses Dramas geöffnet zu haben. Aber weil auch das Morden im Nachbarland Israel nicht aufhört, kann dies nur der erste Schritt sein, sagen sie auch. Auf ihrer Homepage rufen die jungen Jordanier zur Hilfe für Phase Zwei der Kampagne auf - um weiter mit den Mitteln der Medien für einen Staat Palästina zu kämpfen. (bik)

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