Sterben in Hospizstationen: "Leben bis zuletzt"

Alltag im Hospiz Luise in Hannover

(veröffentlicht bei dpa/lni Hannover, 25.1.2001)

Hannover. Von außen sieht das Haus aus wie eine Ferienpension: Holzbalkone, helle Fassade, ein kleiner Parkplatz hinter dem Haus. Nichts deutet darauf hin, dass Menschen hierhin kommen, um zu sterben: Das Hospiz Luise in einer ruhigen Wohngegend von Hannover legt Wert auf Normalität. Seit sechs Jahren können hier bis zu acht Todkranke gleichzeitig aufgenommen werden, Pfleger und Angehörige kümmern sich um sie.

Katharina-Maria Hanne leitet den Pflegedienst. "Wir wollen Menschen ein Leben bis zuletzt ermöglichen", sagt die Ordensschwester der Vinzentinerinnen. Ein Leben bis zuletzt, das heißt: Die Schmerzen der Sterbenden lindern und sie menschenwürdig in den Tod begleiten.

Keine aktive Sterbehilfe

Seit etwa zehn Jahren findet der Hospiz-Gedanke auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Aktive Sterbehilfe ist in der Bundesrepublik im Gegensatz beispielsweise zu den Niederlanden aber verboten. Trotzdem wird auch hier zu Lande darüber inzwischen kontrovers diskutiert. Im Hospiz Luise hat bislang nur ein Patient danach verlangt.

"Der Mensch sollte in seiner gewohnten Umgebung sterben", sagt Schwester Katharina-Maria. Doch weil das nicht immer möglich ist, gibt es Hospizhäuser, die die Todkranken und ihre Angehörigen betreuen. 17 Tage ist die statistische Aufenthaltsdauer der Sterbenden dort - Tage, in denen der Alltag so normal wie möglich bleiben soll. Zehn Hospizhäuser gibt es in Niedersachsen, 96 bundesweit. Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen meistens einen Teil der Kosten. Den Rest finanzieren die Einrichtungen über Spenden.

"Tod gehört zum Leben"

Natürlich ist es für die Mitarbeiter nicht leicht, wenn zum Beispiel junge Menschen an unheilbaren Krankheiten sterben. Doch die Ordensschwester weiß: "Der Tod gehört genauso dazu wie die Geburt, nur sind wir heute oft unfähig, damit umzugehen." Das merkt sie schon daran, dass besucher nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen: Darf man an einem Ort, an dem Menschen sterben, auch lachen? Natürlich darf man, nickt Schwester Katharina-Maria.

Neben den Hospizhäusern hat vor allem die ambulante Sterbebegleitung in den vergangenen Jahren zugenommen: Bundesweit gibt es derzeit mehr als 900 Dienste, in Niedersachsen 91. "Dort arbeiten auch viel ehrenamtliche Kräfte", erläutert Barbara Gottschlich, Pressesprecherin der Deutschen Hospiz Stiftung. "Sie ermöglichen, dass die Kranken in der eigenen Wohnung sterben können. Dabei verstehen sie sich als Bindeglied zwischen Patienten, Angehörigen, Arzt und Pflegedienst."

Mehr Hilfe für Ambulanzen

Für diese ambulanten Dienste wünscht sich die niedersächsische Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz mehr Unterstützung. "Die Koordination lässt sich oft nicht mehr ehrenamtlich erledigen", sagt der Vorsitzende Josef Roß. Im Gegensatz zu den Hospizhäusern finanzieren sich die Ambulanzen allein durch Spenden. "Alle sagen, ambulant sei besser als stationär, aber bei den Worten bleibt es oft", hat auch Schwester Katharina-Maria erfahren. Doch es gibt Hoffnung: Derzeit wird im Bundesrat ein Gesetzentwurf beraten, der den Diensten finanzielle Hilfe zusichern soll. Die Länder haben ihre Zustimmung signalisiert. (bik)

Externe Links:

Hospiz Luise Hannover;
Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz;
Deutsche Hospiz Stiftung.

 

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