Sandra Lüpkes – vom Inselkrimi zum Teutoburger Wald und zurück

(erschienen bei gesche-online, 02.11.2005)


Bremen. Krimis mit viel Lokalkolorit sind ihr Ding: Sandra Lüpkes, Schriftstellerin aus Juist, hat mittlerweile ihren 5. Krimi vorgelegt, der an der Nordsee spielt. Doch jetzt wird vieles anders - Birgit Köhler hat mit ihr gesprochen.

Dreizehn Krimiautoren und -autorinnen aus vier Ländern trafen sich vor wenigen Tagen zur achten Bremer „Prime Time Crime Time“, darunter sechs Frauen. Neben der Engländerin Val McDermid las auch Sandra Lüpkes auf der grossen Bremer Krimi-Nacht in der Schauburg. Birgit Köhler hatte Gelegenheit sich mit der norddeutschen Autorin über ihre Krimis und über das Schreiben allgemein zu unterhalten.

Lokalkrimis sind deutsch

„Endlich einmal Bäume beschreiben“ wollte die Schriftstellerin Sandra Lüpkes nach fünf Krimis, die alle auf Nordseeinseln oder an der Küste spielen und ihr den Ruf als Erfinderin des „Insel-Krimis“ eingebracht haben. Außerdem empfindet sie das Genre des Lokalkrimis als „sehr deutsch“. Vielleicht auch deshalb spielt der nächste Krimi, der im kommenden Frühjahr erscheinen soll, zur Abwechslung einmal im Teutoburger Wald. Mit einer bekannten Hauptfigur jedoch: Wencke Tydmers, die bereits in „Die Sandornkönigin“ (2001), „Der Brombeerpirat“ (2002) und „Das Hagebuttenmädchen“ (2004) ermittelt hat.

Erst vor wenigen Tagen hat sie die letzten Zeilen der „Wacholderteufel“, so der Titel, beendet. „Ich suchte einen mystischen Ort, der auch Kurort ist, und bin dann über die Externsteine im Teutoburger Wald gestolpert.“ Eine Woche Recherche in Bad Meinberg standen am Anfang: umhören, umschauen, mit den Leuten vor Ort sprechen. Die Geschichten, die sie dabei gehört hat, flossen auch teilweise ins neue Buch ein. „Da gab es zum Beispiel einmal einen ermordeten Schwan, das hab ich natürlich erwähnt.“

Echtzeitthriller

Nicht immer ist die Schriftstellerin so willkommen wie in Bad Meinberg. Für ihren jüngsten Krimi, „Halbmast“, wollte sie die Arbeitsbedingungen auf der Papenburger Meyer-Werft recherchieren. Doch die wollte partout nicht mit der Autorin zusammenarbeiten. Dennoch ist ihr ein überzeugender Krimi gelungen, der einen Mord bei der Überführung eines Luxusliners, Umweltprobleme und die Situation illegaler Arbeiter aus Osteuropa spannend zu einem Echtzeitthriller verbindet.

Fünf Monate hat sie für „Halbmast“ gebraucht, für die „Wacholderteufel“ nur drei: „Die Wencke kenne ich schon, die agiert von selbst, da muss ich nur noch zwei, drei Nebenfiguren entwickeln.“ Das Schreiben macht ihr letztlich mehr Spaß als die Recherche, aber: „Es ist toll, wenn man eine Idee hat, dann zu recherchieren anfängt und plötzlich merkt, dass die Geschichten schon da sind.“

Schreiben als Halbtagsjob

Die 34-Jährige ist aber nicht nur Krimiautorin: Daneben singt sie in einer Rockband, schreibt deren Liedtexte und vermietet Ferienwohnungen auf Juist, wo sie mit ihrem Mann und zwei Töchtern lebt. „Ich hatte schon immer den Traum zu schreiben, aber nie wirklich daran geglaubt, dass es etwas wird. So hab ich erst einmal Werbegestalterin gelernt.“ Bis eine Ausschreibung für einen Kurzgeschichtenwettbewerb die Wende brachte. „Mittlerweile ist Schreiben mein Halbtagsjob“, sagt sie. Von neun bis zwölf Uhr schreibt oder recherchiert sie täglich, am Nachmittag kümmert sie sich um Haus und Familie. „Wichtig ist es vor allem, wenn man schreiben möchte, erst einmal anfangen, durchhalten und sich selbst ernst nehmen. Wenn ich gerade schreiben muss, dann kann ich abends eben nicht auf jede Party gehen.“

Doch nach sechs Krimis und diversen Kurzkrimigeschichten will Sandra Lüpkes einmal das Genre wechseln: Ein historischer Roman ist geplant, der ebenfalls auf einer Nordseeinsel spielen soll. „Der wird doppelt so dick und die Recherche wird doppelt so aufwändig, darauf freue ich mich schon.“ (bik)

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