Die Gute-Nacht-Geschichte ist Pflicht

"Kirche unterwegs" seit Jahren auf Campingplätzen aktiv - Predigt auch im Blaumann

(veröffentlicht in der Kreiszeitung Wesermarsch, 9.9.1999)


Eckwarden. Die meisten Urlauber sind von den Campingplätzen in Schillig, Dangast, Burhave und Hooksiel abgereist. Auch Pastor Karl-Heinz Ufken hat "seine" vier Wohnwagen wieder zum Winterquartier gebracht. Seit 15 Jahren sind er und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Sommerwochen bei den Campern für die "Kirche unterwegs".

Jede Woche bieten die Mitarbeiter unterschiedliche Programme für die Kinder bis zwölf Jahre an. Im Mittelpunkt steht jeweils ein Thema wie "Wasser" oder "Schöpfung". Alle 14 Tage wechseln die Betreuerteams. Was die jungen Erwachsenen im einzelnen machen, hänge von ihnen ab, sagt Karl-Heinz Ufken. "Zwei Dinge sind allerdings Pflicht: die Kinderstunde und die Gute-Nacht-Geschichte, eine kindgemäße Abendandacht."

Wilhelmine Wattwurm ist dabei

Manchmal versammeln sich abends bis zu 120 Kinder im großen Kirchenzelt, um biblische Geschichten zu hören und Lieder zu singen. Immer mit von der Partie ist ein besonderer Freund der Kleinen: eine Handpuppe, die beim Geschichtenerzählen hilft. "Die Kinder in Schillig zum Beispiel lieben Wilhelmine Wattwurm", erzählt der Pastor.

Aber nicht nur Kinder hören sich gern die Gute-Nacht-Geschichte an, auch Eltern schauen im Zelt vorbei. Viele lassen sich von den Mitarbeitern der "Kirche unterwegs" Gebete und Buchtipps geben, um Ideen für zuhause zu bekommen. "Kinderarbeit ist immer auch Familienarbeit", sagt Karl-Heinz Ufken. Die Eltern wissen, dass ihre Sprößlinge gut aufgehoben sind, und können ihren Freiraum genießen. Und sie finden auf diesem Wege manchmal auch wieder den Kontakt zur Kirche: "Oft sind es Familien aus Großstädten, die vielleicht noch Kirchenmitglieder sind, aber keinen Bezug zu ihrer Gemeinde haben. Hier können sie in lockerer Atmosphäre einen neuen Zugang finden."

Mittlerweile eine Institution

Ob Kind oder Erwachsener, bei vielen ist die Kirche auf dem Campingplatz bereits zur festen Institution geworden. In einigen Straßenatlanten steht ein besonderes Symbol an rund 80 bundesweiten Camping-Plätzen, auf denen es "Gemeinden auf Zeit" gibt. Und einige, so Karl-Heinz Ufken, wählten den Platz ausdrücklich danach aus.

Natürlich unterliegt auch die "Kirche unterwegs" den Sparzwängen der Landeskirchen. 57000 Mark stehen Karl-Heinz Uffken jährlich zur Verfügung. Davon müssen sämtliche Materialien, Reparaturen, Fahrtkosten und ein kleines Tagegeld für die freiwilligen Mitarbeiter bestritten werden. Als im vergangenen Jahr Kürzungen anstanden, führte der Pastor aus Eckwarden eine Statistik: In sechs Wochen haben über 10200 Kinder auf den vier von ihm betreuten Plätzen teilgenommen. "Da hat die Oldenburgische Landeskirche die Kürzungen schnell wieder zurückgenommen."

Das Konzept, die Menschen dort zu erreichen, wo sie entspannt ihren Urlaub genießen, kommt an. Manchmal staunen die Camper aber nicht schlecht, wenn sie das erste Mal die "Kirche unterwegs" auf dem Platz treffen, erzählt Karl-Heinz Ufken lachend: "Meine erste Predigt halte ich schon, wenn ich im Blaumann die Wohnwagen aufbaue. Da fragen die Leute, ob sie helfen können, und wenn sie hören, dass ich Pastor bin, gehen ihnen die Augen auf. Aber die meisten meinen dann doch: Bist ja trotzdem ein feiner Kerl." (bik)

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