"Von Frau zu Frau" online gehen

Spezielle Kurse für Frauen an der KVHS Nordenham

(veröffentlicht in der Kreiszeitung Wesermarsch, 15.1.2000)


Nordenham. "Bei Computer-Dingen gibt es ganz große Sprachprobleme sowohl zwischen den Geschlechtern als auch zwischen den Generationen." Das hat Dr. Renate Gall beobachtet, Seminarleiterin bei der Kreisvolkshochschule Wesermarsch. Deshalb bietet sie regelmäßig Kurse für Frauen an, wie an diesem Abend für ehemalige Landwirtschaftsschülerinnen.

"Mein Sohn hat einen Computer und seit Weihnachten auch einen Internetanschluss, aber er kann wesentlich besser damit umgehen und muss mir immer helfen." "Wir haben einen PC zuhause, aber mehr als die Spiele kann ich nicht." "Ich nutze einen Rechner für Bankgeschäfte, aber da muss man doch mehr draus machen können." Als sich die 14 Frauen vorstellen, die an zwei Abenden lernen wollen, was es mit dem Internet auf sich hat, hört Renate Gall viel Bekanntes. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Ehemänner und Kinder Computer und Internet oft selbstverständlich nutzen, während die Frauen hilflos davor sitzen.

Frauen sehr interessiert

So wie Insa Oetjen: "Alle reden vom Internet, das ist der Zeitgeist. Da wird man schon verunsichert, wenn man keine Ahnung davon hat." Deshalb besucht sie an diesem Abend das Seminar, das der Verein ehemaliger Landwirtschaftsschüler seinen Mitgliedern erstmals anbietet. Das Angebot ist laut Anke Plate, Vorstandsmitglied des Vereins, ein großer Erfolg: Fast 50 Frauen hatten sich angemeldet, während nur 16 Männer Interesse zeigten. Für sie ist das ein gutes Zeichen: "Die Frauen trauen sich oft nicht zu fragen, und von Frau zu Frau redet es sich eben besser."

An jeweils zwei Abenden zeigt ihnen Renate Gall, was sie für das Surfen im Internet brauchen. Zum Beispiel "die kleine graue Kiste und drei Kabel", das Modem also. Sie erklärt, wie elektronische Post und "Online-Quasseln", auch Chatten genannt, funktioniert. Und dann geht es ins Internet für viele Teilnehmerinnen das erste Mal in ihrem Leben. Rita Henjes hat ein bisschen Angst: "Kann ich da nicht etwas falsch machen?" Renate Gall beruhigt: "Bevor Sie versehentlich etwas im Internet bestellen, müssen Sie so viele persönliche Angaben machen, dass Sie oft schon keine Lust mehr haben."

Sonderangebote online sichten

Shoppen ist für einige Frauen eine interessante Möglichkeit des Internets. Leni Haferkamp schaut sich die Sonderangebote von Aldi online an: "Damit ich weiß, ob es sich lohnt, dorthin zu fahren." Sie nutzt das Internet bereits regelmäßig: "Ich melde unsere Kühe und Kälber elektronisch an und ab, das geht einfacher und bequemer als per Post." Bei ihr hakt es aber, wenn sie gezielt nach Themen suchen will. "Wo finde ich zum Beispiel für die Hausarbeit meiner Tochter ein Bild vom Brandenburger Tor?"

Die 14 Frauen sitzen eifrig vor ihren Rechnern, tippen "www" ein und starren gebannt auf den Bildschirm, wenn das Aufrufen der Seiten wieder länger dauert. "Abends ist Hauptstauzeit", so Renate Gall, "Weil aber viele Anbieter mittlerweile den ganzen Tag günstige Tarife anbieten, lohnt es sich, auch tagsüber ins Netz zu gehen. Das ist oft schneller."

Seriösität prüfen

Gudrun Brandt besucht ihre eigene Homepage im Internet: "Dort kann man sich unsere Ferienwohnungen anschauen, aber wie das Ganze funktioniert, wissen meine Söhne besser." Wie man erkennt, ob ein Angebot im Internet seriös ist, möchte Claudia Cornelius wissen. "Das ist tatsächlich ein Problem. Theoretisch kann jeder alles im Internet veröffentlichen, auch wenn es nicht stimmt", bestätigt Renate Gall. "Am besten schauen Sie sich vor einer Bestellung den Firmensitz an. Seriöse Firmen geben den immer an."

Um Sicherheit im Internet soll es in der folgenden Woche gehen, ebenso um Suchmaschinen. Die können zum Beispiel Leni Haferkamp helfen, ein Foto vom Brandenburger Tor zu finden. Als die Frauen nach zweieinhalb Stunden die Rechner ausschalten, meint Rita Henjes: "Ich glaube, ich werde heute Nacht vom www träumen." Ihre Freundin Martina Oltmanns erwidert lachend: "Ja wach, wach, wach." (bik)

 

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