Im Keller ein kleines Museum eingerichtet

Der Seefelder Hugo Ahlhorn sammelt leidenschaftlich Steine und andere Dinge

(veröffentlicht in der Kreiszeitung Wesermarsch, 4.10.1999)


Seefeld. "Schon als Kind habe ich mich für Heimatkunde und alte Dinge interessiert", sagt Hugo Ahlhorn. "Lehrer Lammers in Esenshammergroden hat uns Kindern das beigebracht, und bei manchen ist es hängen geblieben." Bei Hugo Ahlhorn ist wohl besonders viel "hängen geblieben", denn er sammelt alles, was alt ist. In dem Keller seines Seefelder Hauses hat das Vorstandsmitglied des Rüstringer Heimatbundes sein eigenes kleines Museum eingerichtet.

Münzen, Orden, Feldpostbriefe und Bücher stapeln sich in Schränken und Vitrinen. Alte Landkarten hängen an den Wänden neben Banknoten aus der Kaiserzeit, die er im Altpapier gefunden hat. In einer Ecke stehen alte landwirtschaftliche Geräte, ein Spinnrad, ein Dreschflegel, eine Sense. "So etwas gibt es heute gar nicht mehr, wird alles maschinell gemacht", sagt Hugo Ahlhorn und deutet auf alte Tischler- und Zimmermannswerkzeuge. Daneben finden sich vom gusseisernen Bügeleisen bis zur Brennschere allerlei Haushaltsgegenstände.

"Flohmärkte sind abgegrast"

Auch Porzellan vom Deutschen Haus, dem früheren Seefelder Hotel seiner Eltern, hat Hugo Ahlhorn aufbewahrt. Stalllampen, Bergbau-Laternen und Karbid-Fahrradleuchten hat er in alten Dorfgräben der Umgebung gefunden: "Zum Teil waren die Gräben zugeschüttet und irgendwann wieder geöffnet worden, aber heute findet man da nichts mehr." Auf Flohmärkten und bei Haushaltsauflösungen macht er vereinzelt noch ein Schnäppchen, "aber auch da ist mittlerweile alles abgegrast.

Wer den Weg zu dem privaten Museum in Seefeld findet, ist fasziniert, sagt der 74-Jährige. Der Nordenhamer Verkehrsverein hat sich für seine Wilhelm-Müller-Ausstellung einige alte Haushalts- und Landwirtschaftsgeräte ausgeliehen, andere werden in der Seefelder Mühle präsentiert. Mit den Gegenständen in seinem Museum sind natürlich Geschichten verknüpft, und die sammelt er auch. Bereits vor 15 Jahren hat er ein Buch über die Geschichte Seefelds verfasst. Mittlerweile sind so viele Leute zu ihm gekommen, um ihn nach ihrer Familie, ihrem Hof zu fragen und selbst Geschichten zu erzählen, dass er ein neues Buch schreiben könnte. "Das mach ich dann, wenn ich nicht mehr so gut laufen kann."

"Man muss ein Auge dafür haben"

Die größte Sammelleidenschaft des Hugo Ahlhorn jedoch sind Versteinerungen. Ammoniten in allen Größen, Donnerkeile, Seeigel und andere Fossilien liegen sortiert und mit kleinen Schildern bestückt auf Tischen und in Regalen. Vor 30 Jahren ist er auf dem Staffelberg am Obermain Studenten begegnet, die dort Ausgrabungen vornahmen. Dabei holten sie auch Fossilien aus der Erde und verkauften sie für 50 Pfennige. "Einige habe ich gekauft, aber ich dachte, noch schöner muss es sein, selbst welche zu finden." Und siehe da - auf umgepflügten Äckern und in Steinbrüchen wurde der Seefelder immer wieder fündig. "Man muß ein Auge dafür haben und ganz viel Ruhe, sonst übersieht man die Versteinerungen", empfiehlt Hugo Ahlhorn.

Auf allen Reisen und Spaziergängen nimmt er beharrlich jeden Stein in die Hand, seine Frau Annemie sucht währenddessen seltene Blumen. Auf der Schwäbischen-Alb, in Österreich und in Westfalen liegen besonders ergiebige Gebiete, aber sogar in Eckwardersiel fand er, inmitten von Bauschutt, ein versteinertes Rindenstück eines Bärlapp-Baumes. "320 Millionen Jahre ist das alt, da wird einem erst bewusst, wie kurz die Zeit der Menschen ist." (bik)

 

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