Unterwegs mit kleinen Königen

Sternsinger singen,segnen und sammeln in diesem Jahr für die Teppichkinder in Indien

(veröffentlicht in der Kreiszeitung Wesermarsch, 7.1.2000)


Nordenham. Wenn Rouven und Tjark, Julian, Jan und Lasse gestern an Haustüren klingelten, leuchteten ihre goldenen Kronen mit den Gesichtern der Bewohner um die Wette. Die Jungen bildeten eine von sechs Sternsinger-Gruppen, die in der katholischen Gemeinde unterwegs waren. Mit knielangen weißen Gewändern, bunten Umhängen, Kronen und Turbanen trafen sich mehr als 20 Kinder gestern um zehn Uhr in der St.-Willehad-Kirche, um den Segen zu empfangen, den sie anschließend in die Häuser Nordenhams trugen.

Traditionell sammelten sie dabei Geld, das in diesem Jahr den so genannten Teppichkindern in Indien zugute kommen soll. Die sind ganz arm, müssen den ganzen Tag am Webstuhl arbeiten und können gar nicht zur Schule gehen, erklärt Jan ernst. Das von den Sternsingern gesammelte Geld soll die Kinder aus ihrer Sklaverei befreien und ihnen eine gute Ausbildung ermöglichen. Für einen so guten Zweck singen die fünf Jungen mit Feuereifer ihre Lieder.

15 Jahre alte Segenssprüche

Zum Beispiel bei Paul Fichtner. Der 93-Jährige begrüßt sie bereits unten an der Haustür und führt die kleine Schar in seinen engen Wohnungsflur. Lasse spielt auf seiner Flöte das erste Lied vor, das die anderen aber bereits auswendig können. Ein echter Ohrwurm, wie Erika Saßerath sagt, die die kleinen Könige durch die Gemeinde fährt.

Tjark hält den Stern, mit dem die Kinder in jedes Haus leuchten wollen, sein Zwillingsbruder Rouven bewacht die Teedose, in die die Spenden wandern, und die drei älteren Jungen bitten mit einem kleinen Gedicht um eine Gabe. Paul Fichtner ist ganz gerührt. Nicht nur Geld hat er für die Kinder, auch eine kleine Schleckerei steckt er ihnen zu. Segenssprüche für das Jahr Auf seinem Türrahmen haben sich bereits Segenssprüche von mehr als 15 Jahren angesammelt, alle mit Filzstift geschrieben. Die Sternsinger haben nur Kreide dabei, versprechen aber, später mit einem Stift wiederzukehren. Dann werden sie das Zeichen der Drei Könige, C+M+B*2000, Christus segnet diese Wohnung, über die Tür schreiben.

Tränen der Rührung

Erst einmal geht es aber weiter, auf der anderen Straßenseite zu einer älteren Frau. Als die Kinder singen, stehen ihr Tränen in den Augen: Das ist immer so schön. Erst will die grüne Kreide nicht an ihrem Türrahmen haften, aber dann schafft Julian es doch. Als sie aus dem Haus treten, winkt Paul Fichtner erneut mit Geldscheinen ein Mitbewohner aus seinem Haus hat ihm noch etwas für die Sternsinger gegeben. Weiter ziehen die Könige, zum Beispiel zur Villa Kunterbunt, wo Mütter ihre Sprößlinge gerade von der Kindertagesstätte abholen. Die kleinen Kinder lauschen den verkleideten Königen fasziniert. Brav legen sie ihre Gaben in die Teedose, die sich langsam füllt.

Dann ist es Zeit für das Mittagessen bei Familie Saßerath. Kronen, Turbane und Umhänge werden erst einmal abgenommen, sie werden am Nachmittag wieder gebraucht. Die kleine Gruppe hat noch viel zu tun: Insgesamt stehen 18 Besuche auf ihrer Liste, mehr als 80 Häuser sind es in ganz Nordenham. Und schließlich wollen die fünf Weisen aus dem Morgenland noch viel Geld sammeln für die Teppichkinder in Indien. (bik)

 

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