Die Netzhaut ist das Tor zum Gehirn

Die Unis in Oldenburg und Bremen haben einen gemeinsamen Sonderforschungsbereich über die Funktion von Retina und Gehirn

(veröffentlicht in der Nordwest-Zeitung, 29.4.1999)


Oldenburg. "Das Gehirn ist das letzte Organ, das wir noch nicht verstehen", sagt Professor Dr. Reto Weiler. Besonders angetan hat es ihm die Netzhaut, die Teil des Gehirns ist und damit alle Gehirnfunktionen im Kleinen abbildet. Seit 1996 erforscht der Biologe im Sonderforschungsbereich (SFB) "Neurokognition" mit anderen Wissenschaftlern in Oldenburg und Bremen, wie Hirn- und Netzhaut-Zellen funktionieren und zusammenarbeiten.

Ziel des SFB ist es, zu erkennen, wie im Nervensystem von Wirbeltieren kognitive Leistungen wie Wahrnehmen, Lernen, Erkennen, Erinnern und Denken entstehen. Das Interesse an der Neurokognition hat weltweit zugenommen, in der offnung, geeignete Heilmöglichkeiten für Alzheimer und andere Hirnerkrankungen zu finden.

Eine gemeinsame Sprache lernen

Der SFB ist eine Besonderheit. Hier kooperieren Wissenschaftler in Oldenburg und Bremen aus den verschiedenen Fachbereichen: Neurobiologen, Physiker und Psychologen untersuchen jeweils mit ihren eigenen Methoden Teilaspekte des Problems. Regelmäßig treffen sich Arbeitsgruppen. "Am Anfang versteht man da nicht viel, weil ja jeder seine Fachsprache hat, aber nach drei Jahren hat man eine Menge von den anderen Wissenschaftlern gelernt."

Etwa zwei Millionen Mark gibt es jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die zehn bis 20 Teilprojekte. Der Biologe Weiler und seine Arbeitsgruppe haben sich auf die Netzhaut, die Retina, spezialisiert: "Wir müssen einerseits die einzelnen Zellen verstehen, wie sie miteinander kommunizieren und kleine Einheiten bilden, wie die Retina. Sie ist quasi das Tor zum Hirn. Und über diese kleinen überschaubaren Netzwerke können wir Erkenntnisse über das globale Netzwerk Gehirn gewinnen." (bik)

 

Hier geht's zurück zur NWZ