Erst Einreiseverbot - dann ein Orden

Professor Hahn lehrt osteuropäische Geschichte an der Oldenburger Uni: "Es gibt keine echten und unechten Europäer"

(veröffentlicht in der Nordwest-Zeitung, 10.7.1999)


Oldenburg. "Osteuropa ist auch ein Teil von Europa", sagt Professor Dr. Hans Henning Hahn, "es gibt keine echten und unechten Europäer." Um die Vorurteile abzubauen, die noch viele Köpfe beherrschen, wurde 1992 Hahns Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte eingerichtet.

"Es ist ein grandioser Provinzialismus, dass Geschichtsstudenten bis zu ihrem Examen nur deutsche Geschichte gelernt haben", schimpft Hahn. "Und damit werden sie auf die Schüler losgelassen." Um das zu ändern, ist die osteurpäische Geschichte in Oldenburg ein Teilbereich des Historischen Seminars, so wie Alte Geschichte und Mittelalter. Hahn versucht, die Geschichte der östlichen Nachbarn in einen gesamteuropäischen Rahmen zu stellen. So beschäftigte sich ein Seminar mit den Ereignissen der Revolution von 1848 von Irland zum Kaukasus - eine Perspektive, die selten eingenommen wird.

Engagement für die polnischen Opposition

Der Schwerpunkt des Studienganges liegt auf der polnischen Geschichte. Das hängt eng mit Hahns eigener Person zusammen. In den 70er und 80er Jahren engagierte er sich sehr für die polnische Opposition. Das brachte ihm erst ein Einreiseverbot und im vergangenen Jahr einen Orden des polnischen Staates ein.

Eine der engsten Partnerschaften verbindet die Oldenburger Universität mit der Universität in Thorn. Seit 17 Jahren wird in der Forschung kooperiert. Seit es den Studiengang für osteuropäische Geschichte gibt, profitieren auch die Studierenden davon: Gemeinsame Seminare und Vorlesungen behandeln, parallel in Oldenburg und Thorn, z.B. die historischen Stereotypen - ein Thema, das gerade im Umgang mit Polen sehr wichtig ist: "Die Beziehungen zu Polen sind historisch belastet, da sind nicht nur Vorurteile, sondern auch Traumata, die nicht innerhalb einer Generation verschwinden." (bik)

 

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