Minuten zählen beim Schlaganfall

Spezialstation im ZKH Reinkenheide in Bremerhaven eingeweiht

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 9.3.2000)


Bremerhaven. Jährlich erleiden rund 700 Menschen aus Bremerhaven und dem niedersächsischen Umland einen Schlaganfall. Um diesen Patienten eine schnelle und effektive Versorgung zu garantieren, wurde im Zentralkrankenhaus Reinkenheide die so genannte "Stroke Unit" eingerichtet.

Die spezielle Schlaganfallstation innerhalb der neurologischen Station des ZKH bedeutet eine Verbesserung der Akutbehandlung, betonte Gesundheitssenatorin Hilde Adolf gestern bei der Einweihung. "Durch die schnelle Hilfe, möglichst innerhalb von drei bis sechs Stunden, auf der Spezialeinheit lassen sich Sterblichkeit und Folgeschäden nach Schlaganfällen erheblich reduzieren."

"Innerhalb von 90 Minuten behandelt"

Wie groß der Erfolg sein kann, erläuterte Dr. Michael Grond von der Neurologischen Universitätsklinik Köln. Dort gibt es bereits seit längerem die Spezialstation: "Jeder vierte der 300 Patienten, die wir dort behandelt haben, wurde innerhalb von 90 Minuten nach den ersten Symptomen behandelt." In vergleichbaren Einrichtungen in Skandinavien sei die Todesrate auf diese Weise um neun Prozent gesenkt worden.

Beim Schlaganfall komme es auf jede Minute an, betonte Grond: "Je mehr Zeit verstreicht, bis eine Therapie eingeleitet wird, desto mehr Gewebe wird nicht mehr durchblutet und stirbt ab." Deshalb müsste auch Rettungswagenpersonal geschult werden, um die Patienten schnell ins Krankenhaus zu bringen, so Grond: "Die Rettungsteams sollten nicht so viel vor Ort machen, sondern gleich zur Stroke Unit fahren. Und sie sollten die Angehörigen mitbringen, denn die können uns sagen, wann genau die Symptome angefangen haben, wieviel Gewebe also schon zerstört wurde."

Standardisierte Therapie

Die Vorteile einer "Stroke Unit" liegen in der Zusammenfassung der Patienten auf einer Station und in der standardisierten Therapie, die vor allem auf folgende Punkte abzielt: einen hohen Blutdruck zu erhalten, die Temperatur zu senken, den Blutzuckerspiegel und die Sauerstoffversorgungen zu kontrollieren und Thrombose zu verhindern.

Insgesamt hat die Einheit im ZKH 620 000 Mark gekostet, 555 000 Mark davon für die medizinische Ausstattung. Ein Drittel der Kosten werden von Bremerhaven getragen, zwei Drittel schießt das Land zu. Die Krankenkassen haben die Schlaganfall-einheit mit einem eigenen Budget ausgestattet, verkündete Gesundheitssenatorin Hilde Adolf. Erst im vergangenen Monat wurde in der Stadt Bremen eine entsprechende Einrichtung eingeweiht.

Aufklärung der Bevölkerung

Entstanden ist in vier Wochen Umbauzeit ein Zimmer mit Platz für drei bis vier Betten, in denen Patienten in den ersten 48 Stunden intensiv betreut werden. Eineinhalb Stellen für Ärzte, zwei für speziell geschulte Krankenschwestern und andere Therapeutenstellen wurden neu eingerichtet. Wichtig sei neben der eigentlichen medizinischen Betreuung auch die Aufklärung der Bevölkerung, führte Grond aus. "Schlaganfall ist ein Notfall" lautet in Köln ein Schlagwort. Auch im Land Bremen, so Senatorin Hilde Adolf, ist eine Aufklärungsaktion geplant. (bik)

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