Tanz für Körper und Seele

Bremerhavenerin vermittelt Sinnlichkeit und Körpergefühl - "Ich möchte Frauen stärken, wie sie sind"

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 29.4.2000)


Bremerhaven. "Bauchtanz bedeutet für mich, meine Weiblichkeit, Sinnlichkeit und Gefühle zum Ausdruck zu bringen", sagt Andrea von Düring-Buja. Die dunkelhaarige Bremerhavenerin tanzt seit sieben Jahren. Aus dem Hobby ist mittlerweile ihr Beruf geworden, ihr Tanzstudio besteht bereits seit drei Jahren.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bauchtanz-Studios steht bei ihr weniger die Technik im Vordergrund: "Natürlich studiere ich auch Choreographien ein, wenn eine Gruppe einen Auftritt hat. Viel wichtiger aber ist die Körperwahrnehmung." Die meisten Menschen müssten erst lernen, sich selbst zu spüren, weiß die Bauchtänzerin. "Man muss nicht nur wissen, dass man einen Bauch oder einen rechten Zeh hat, man muss ihn fühlen."

Geistig behinderte Kinder sind besonders gut

Die gelernte Krankenschwester ist früher bereits auf Hochzeiten und Familienfeiern aufgetreten. Als ABM-Kraft beim Berufsbildungswerk hat sie dann gemerkt, dass es ihr Spaß macht, zu unterrichten. "Erst habe ich Kurse bei der Volkshochschule geleitet, bis ich mich selbstständig gemacht habe."

Sie arbeitet auch mit geistig behinderten Kindern und Jugendlichen zusammen und ist begeistert von ihnen: "Sie haben ein unglaubliches Rhythmusgefühl und zeigen viel authentischer als die meisten anderen Menschen ihre Gefühle."

Auch Männer können tanzen

Gemerkt hat Andrea von Düring-Buja diese Fähigkeiten auf einem Geburtstag ihres Bruders, der ebenfalls geistig behindert ist: "Ich habe da einen Tanz vorgeführt, und sobald die Musik losging, fingen die Behinderten zu klatschen an und machten sofort mit."

Neben den Behinderten unterrichtet sie auch Schwangere, Kinder und Männer: "Das sind zwar nur zwei Männer, aber denen macht es viel Spaß. Ihre Frauen lernen auch schon bei mir, und sie waren wohl neugierig, was hier passiert." In einigen orientalischen Ländern sei es durchaus üblich, dass auch Männer tanzten.

Dicke trauen sich oft nicht

Besonders wichtig ist ihr aber die Gruppe für übergewichtige Frauen. "Erst wollte ich gar keine Extra-Gruppe für sie machen, ich wollte nicht diskriminieren, denn es ist ja egal, wie dick oder dünn eine ist." Andrea von Düring-Buja stellte aber fest, dass viele dicke Frauen sich nicht in eine "normalgewichtige" Gruppe trauen.

In dem speziellen Kursus sind sie unter sich, und es sei erstaunlich, wie sehr die Frauen aus sich heraus kommen: "Am Anfang kamen sie in weiten T-Shirts, mittlerweile treten manche in engen Catsuits auf." Diäten spielten bei ihnen keine Rolle. "Ich möchte die Frauen so stärken, wie sie sind."

79-jährige Tänzerin in Ägypten

Auch heute tritt die 42-Jährige auf Festen auf. Einige Männer beobachteten sie dann auch gierig, andere hielten sich die Ohren zu wegen der Musik. Die meisten seien aber sehr interessiert. "Natürlich frage ich mich schon, wie lange ich das wohl noch machen kann." In Ägypten, dem Geburtsland des Bauchtanzes, sei eine berühmte Tänzerin im Alter von 79 Jahren verstorben. Die sei bis zu ihrem Tode aufgetreten. "Das ist natürlich unmöglich in einer Gesellschaft, in der alles jung, knackig und faltenlos sein muss." (bik)

 

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