Schwarzpulver unter Wänden und Wällen

"Katastrophe von Enschede in Bremerhaven unmöglich" - Hoher Sicherheitsstandard bei Comet

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 16.5.2000)


Bremerhaven. Nach der Brandkatastrophe von Enschede fragen sich viele Bremerhavener, ob sich ein solches Unglück auch in der Seestadt ereignen kann. Am Vieländer Weg ist die Comet GmbH beheimatet, einer der größten deutschen Anbieter von Feuerwerksprodukten. Die NZ fragte nach.

"So etwas wie in Enschede kann sich hier nicht wiederholen", versichert Arthur Zahn, Leiter der chemischen Entwicklung bei Comet. Das Werk in Wulsdorf sei viel besser gesichert gegen mögliche Brände als die Feuerwerksfabrik in den Niederlanden, die am Sonnabend explodierte.

Schwarzpulver in Bunkern verteilt

Maximal zehn Tonnen hochexplosiver Materialien werden auf dem Gelände von Comet gelagert, in kleineren Mengen von 500 Kilogramm bis zu einer Tonne. "Das Schwarzpulver und andere Stoffe verteilen wir auf knapp 20 halbrunde Bunker, die gut gesichert sind", sagt der Diplom-Ingenieur.

40 Zentimeter dicke Stahlbetonwände aus einem Guss und bis zu einem Meter Erdreich schützen die Chemikalien. Zwei dicke Stahltüren lassen kein feuer von außen in den Innenraum. Acht Meter hohe Erdwälle um die Bunker herum dämpfen mögliche Explosionen und fangen Splitter ab.

Keine Gefahr für Wohngebiete

Auch die Produktionshallen sind durch Wälle geschützt. Kommt es wider Erwarten zu einer Detonation, sprengen die vorderen Seiten in Leichtbauweise ab und werden von den Wällen aufgefangen, während die restlichen Stahlbetonwände stehen bleiben.

Gefahr für Wohngebiete, die in etwa 250 Meter Entfernung beginnen, bestünde nicht, so Zahn: "Je näher die Bunker an den Häusern stehen, desto weniger Schwarzpulver lagert dort." Eine so dichte Wohnbebauung wie in den Niederlanden würde in Deutschland gar nicht erlaubt, so Zahn.

Nur die klassischen Silvesterknaller

Im Gegensatz zu Enschede werden in Bremerhaven auch kein Großfeuerwerk hergestellt. "Wir produzieren die klassischen Silvesterknaller, einzeln oder in Kleinpaketen verpackt", erläutert Zahn. Das Verpackungsmaterial besteht aus schwer brennbarem PVC, so dass es nur zu einem Schwelbrand, nicht aber zu einer Explosion käme. Im Falle eines Feuers springen die Sprinkler an, und die Schotten schließen, die jeden Lagerraum unterteilen. (bik)

 

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